„Aida“ zum Finale der Burgfestspiele

Patriotismus oder Liebe

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Dreieich - Mit einer ausverkauften Aufführung der Verdi-Oper „Aida“ endeten die diesjährigen Burgfestspiele in Dreieichenhain. Von Eva Schumann

Die Aufführung von Verdis „Aida“ war ein würdiges Finale für die Burgfestspiele. Die Opera Classica Europa wählte mit diesem Beitrag zum Verdi-Jahr wieder die Hayner Burg zu einer ihrer historischen Spielstätten. Die Ausstattung passte sich geschickt den Open-Air-Verhältnissen an. Ein karges Bühnenbild mit einem mächtigen Buraq und wenigen Wandmalereien versetzte ins Reich der Pharaonen, und zum Szenenwechsel im zweiten Akt genügte ein Ruhebett, um das Gemach der Prinzessin Amneris anzuzeigen. Umso luxuriöser waren die Kostüme der Solisten und des Chores. Unter der Regie von Michael Vaccaro wurde die umfangreiche Bühne samt Treppe für die Aufmärsche von Priestern und Soldaten, Volk oder Sklavinnen eindrucksvoll genutzt. Mehr gefordert war die Fantasie am Schluss, als das Liebespaar Radames/Aida über den unverwandelten freien Bühnenraum schritt, anstatt dem Libretto gemäß in einem kellerartigen Gewölbe eingemauert zu werden.

Nichtsdestoweniger war diese Szene ein Höhepunkt. Obwohl Sergey Nayda als Radames über einige tenorale Strahlkraft verfügt, gefiel er im zarten Liebesduett besser als in Feldherrnpose. Starkes Tremolo in den Höhen beeinträchtigte die Wirkung seiner großen Arien. Die mexikanische Sopranistin Bertha Granados war darstellerisch und gesanglich eine anrührende Aida, hin- und hergerissen zwischen Patriotismus und der Liebe zu Radames. Packend war besonders das Zwiegespräch mit ihrem Vater, dem besiegten Äthiopierkönig, der sie zum Aushorchen des feindlichen Feldherrn überredet. Der russische Bariton Juri Batukov zeigte eine glanzvolle Leistung. An mächtigem Stimmvolumen kam ihm Giorgi Kirof als Ramphis gleich. Romana Vaccaro, eingesprungen für die erkrankte Graciela Alperyn, spielte überzeugend die Pharaonentochter Amneris, die gleichfalls Radames liebt und nach Pharaos Willen mit ihm vermählt werden soll. Auch bei ihrem Mezzosopran störte das Tremolo empfindlich. Doch lief sie im vierten Akt als verzweifelte Amneris, die für den geliebten Radames vergeblich die Priester um Gnade anfleht, darstellerisch zur Hochform auf.

Bilder vom Auftakt der Burgfestspiele

Auftakt der Burgfestspiele 2013

Die Partie des Pharao sang mit grandiosem Bass, klar und eindringlich Andrey Valiguras. Auch Helmut Roos als Bote und Annalena Schmid als Priesterin gefielen stimmlich sehr gut. Das Choraufgebot aus Opernchorsängern des Nationaltheaters Constanta und des Nationaltheaters Prag sowie die klangschönen Smetana Philharmoniker Prag machten den Genuss vollkommen. Delikat waren die kammermusikalischen und solistischen Stellen. Der Dirigent Stefano Giaroli bewältigte souverän die schwierige Aufgabe, Vokalisten und Orchester trotz weiter Entfernung perfekt in Übereinstimmung zu bringen. Das Publikum in der Burg spendete lang anhaltenden Beifall.

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