Auf die Pauke gehauen

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Leibesübungen: Das Berliner HipHop-Sextett Culcha Candela verwandelte die Mehrzweckhalle in einen Balearen-Club.

Neu-Isenburg - Als „Mordsgaudi“ würden Bayern wohl das übermütige Treiben umschreiben, das zwei Stunden lang die nüchterne Neu-Isenburger Hugenottenhalle in einen Balearen-Club verwandelte. Von Ferdinand Rathke

Mit eingängigem Material wie „Solarenergie“, „Eiskalt“ und „Schöne neue Welt“ veranschaulichte das Berliner Hip Hop- und Dancehall-Sextett Culcha Candela, dass es ohne Gangsta-Rap-Attitüde möglich ist, ordentlich auf die Unterhaltungspauke zu hauen. Wenngleich das gefällige Konzept des in choreografierten Tanzschritten wie eine Boygroup anmutenden multikulturellen Ensembles mehrheitlich nicht auf eigenem Mist gewachsen ist.

Mehrsprachig unterhält die bunt zusammengewürfelte Truppe mit Mitgliedern aus Kolumbien, Polen, Uganda, Deutschland und der Republik Korea beim ausgelassenen Spektakel, das hauptsächlich aus endlos in kollektiv auszuführenden körperlichen Ertüchtigungen besteht. Vor allem die ganz jungen, von den Eltern begleiteten Fans unter 14 Jahren zeigten sich begeistert von den Animationen, die verlässlichen Partykrachern wie „Monsta“, „Hamma!“ und „Gimme Some“ dreist zwischengeschaltet wurden.

Bei so viel Stimmung blieben diverse Opfer im dichten Gedränge nicht aus. Dehydriert und unterzuckert seit Stunden, mussten sich einige der allzu eifrigen Teilnehmer im Geschehen direkt vor der Bühne in die verlässlichen Hände des Erste-Hilfe-Personals begeben.

„I Like It Like That.“

Ohne Unterlass feuerten Culcha Candela die Meute weiter an, augenscheinlich angetan vom Gedanken, dass der Auftritt wegen starker Nachfrage kurzerhand von der Frankfurter Batschkapp in die größere Mehrzweckhalle verlegt worden war. Mitunter entstand gar der Eindruck, dass die Berliner den Bogen zu sehr überspannten, als sie übermütig bekannten: „I Like It Like That.“

Fast zum Nebenschauplatz geriet die musikalische Darbietung, für die, abgesehen von selbst getätigten Trommel-Einlagen, ausschließlich DJ Chino con Estilo an Plattentellern und Laptop sorgte. Etwas dürftig wirkte das Konzept schon im direkten Vergleich mit ähnlich gelagerten Kollegen von Fettes Brot über Jan Delay bis hin zu Peter Fox, die mittlerweile sämtlich auf authentische Begleitformationen schwören.

Doch der guten Laune tat das keinen Abbruch. Dass auch Culcha Candela mehr als zufrieden mit ihrem Neu-Isenburger Auftritt waren, twitterten sie, kaum dass die letzten Takte verklungen waren, auf der Homepage.

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