Persönlichkeit frei entfaltet

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Hercules & Love Affair waren im Hafen 2 in Offenbach zu erleben.

Offenbach - Bei Hercules & Love Affair werden am Merchandisestand neben dem üblichen Sortiment an CDs, Vinyl und T-Shirts auch Kondome angeboten. Von Sebastian Hansen

Die Band um den New Yorker Songschreiber und Produzenten Andy Butler steht für die Revitalisierung des Hedonismus der subversiven Musikkulturen aus der Disco-Ära der späten 70er Jahre um die legendäre New Yorker Paradise Garage und des Chicago- und Detroit-House der späten 80er Jahre.

Andy Butler, mit Jahrgang 1978 in der Hochphase von Disco geboren, steht bei der Konzertreise, die ihn in den ausverkauften Offenbacher Hafen 2 führte, in der zweiten Reihe an Keyboards, Schlagzeugcomputer, Mischpult und Laptop, gemeinsam mit dem einst zu Meat Beat Manifesto gehörigen Mark Pistel. Die Show macht eine Sangestrias, deren Mitglieder sämtlich die Geschlechtergrenzen umspielen und mit fabelhaft reizvollen Stimmen begnadet sind, die Vergleichen mit den Vokalisten der klassischen Disco-Ära standhalten.

Auf dem nach dem Bandnamen benannten Debüt von 2008 hatte Antony Hegarty, der Sänger von Antony & The Johnstons, mit seinem überirdischen Falsett als Gastsänger für internationales Aufsehen gesorgt. Angesichts des schillernden Reizes, den die Stimmen des neuen Trios verbreiten, musste ihn aber niemand vermissen.

Spielerischer Umgang mit popmusikalischer Tradition

Aerea Negrot wartete gleich zu Beginn mit Falsett-Koloraturen auf. Der mit einem schwarzen Turban angetane Shaun Wright hat einen souligen Alt, die Stimme von Kim Ann Foxman ist metallisch timbriert. Die beschwingte Choreografie ist individualistisch geprägt, im Sinne des hedonistischen Kerngedankens einer rundum freien Entfaltung der Persönlichkeit.

Unwiderstehlichkeit ist das oberste Gebot von Musik und Show. Auch auf „Blue Songs“, dem jüngst erschienenen zweiten Album, folgt Andy Butler durchweg dem Pfad der Songstruktur, ungeachtet des Umstands, dass er sich nach den Disco-Referenzen des Debüts musikhistorisch inzwischen zum großteils trackförmigen House vorgetastet hat.

Diese Musik mag mancher für schlechterdings altmodisch halten. Der spielerische Umgang mit der popmusikalischen Tradition ist meilenweit von der Zukunftsorientierung des britischen Dubstep entfernt, der zurzeit die Spitze der Pop-Avantgarde darstellt. Schadet aber nichts, denn die Sache hat einen umwerfenden Charme! Und sie ist viel zu vital, um als gestrig abgetan zu werden...

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