Personalunion von Pianist und Dirigent nicht durchweg günstig

Welches Werk passt besser zum Jahresanfang als Beethovens Neunte? Nicht überraschend, dass Justus Frantz sie aufs Programm des Neujahrskonzerts in Frankfurts Alter Oper setzte, zumal seine Philharmonie der Nationen die Brüder-Botschaft glaubhaft vertritt.

Auf Begrüßung und Einführung, die vor zwei Jahren auf unfreundliche Kritik gestoßen waren, verzichtete er, doch war die Zusammenstellung dieselbe.

Der Neunten ging Beethovens Chorfantasie voraus; die Werke haben außer der instrumental-vokalen Mischung auch Thematisches gemeinsam. Frantz dirigierte vom Klavier aus. Noch immer verfügt er über die Pranke fürs Titanische. Indes erwies sich die Personalunion von Pianist und Dirigent nicht immer als günstig. Dank des alerten Konzertmeisters und des vortrefflichen Orchesters funktionierte das Zusammenspiel, doch die Verständigung mit den Vokalisten klappte nicht optimal. Und dass unter dem steten Wechsel zwischen Klavierspiel und Taktgeben die Feinheiten litten, war kaum zu vermeiden. Das Chorfinale wirkte nur noch lärmend.

Sehr engagiert und kraftvoll musizierte die Philharmonie. Frantz jagte sie durch rasante Tempi, nur im Scherzo musste man etwas mit den Blechbläsern bangen. Gewaltige Donnerschläge und Fanfarenstöße wechselten präzise mit lyrischen Stellen. Auf expressive An- und Abschwell-Dynamik bedacht, ließ Frantz im Adagio das sangliche Thema leider nicht ungehindert aufblühen. Grandiose Höhepunkte voll spannender Intensität waren die rezitativischen Passagen. Dirigent und Orchester schonten sich nicht in tobsüchtigen Steigerungen.

Dem Orchester stand der Busan Metropolitan Chorus aus Korea zur Seite. Vom Leiter Kang Kyu Kim war das Ensemble so exzellent präpariert, dass es auswendig sang. Kein Tremolo trübte die Klarheit, die gefürchteten Höhen wurden mühelos erreicht, voll Kraft und Saft waren die Männerstimmen. Die Artikulation war erstaunlich gut; dem Chor war nicht anzulasten, dass in der Fantasie kein Wort zu verstehen war.

Wie gehabt ließ Frantz die Vokalisten nach dem Scherzo einmarschieren. So unauffällig dies dem Chor gelang, derweil das Orchester die Pause durch Stimmen überbrückte: Der Begrüßungsbeifall für die Solisten zerriss den Zusammenhang. Das trefflich harmonierende Quartett war eine gute Wahl. Zwar fehlte es Bassist Tyler Duncan etwas an Volumen, er gefiel beim Rezitativ in der Höhe weniger gut. Doch hörte man ihm wie Sopranistin Lenneke Ruiten, Altistin Anja Schlosser und Tenor Markus Schäfer die Schulung in Lied und Oratorium an. Bei aller Kraft und Dramatik hüteten sie sich vor opernhaften Exzessen. Die Interpreten ernteten Beifallsstürme!

Eva Schumann)

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