Rock'n'Roll als Jungbrunnen

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„Ich bin der Tiger!“: Peter Kraus rockt die Stadthalle.

Offenbach - Rock’n’Roll ist wie Fahrrad fahren. Einmal im Sattel verlernt man’s ein Leben lang nicht. Zumindest, wenn man Peter Kraus heißt und seit 55 Jahren über die Bühnen-Bretter wirbelt. Von Klaus Ackermann

Ein schier altersloser Berufsjugendlicher, der auch ohne Kieser-Training in Anzug oder Jeans eine blendende Figur macht und mit seinen Hits der 1960er Jahre ein großes Publikum in der Offenbacher Stadthalle elektrisiert.

Ein lockerer Hüftschwung und das schon immer ritualisierte Spiel mit dem Mikrofon-Ständer – was bei Gleichaltrigen peinlich wirken würde, ist beim großen Peter wie selbstverständlich, dessen Stimme nach wie vor Substanz hat und der es mit seiner All-Star-Band von Anbeginn ordentlich krachen lässt.

Ein „Rock Around The Clock“ oder „I Am Walking“ reißt das Publikum schon zum Auftakt mit, dessen Altersdurchschnitt bei über 50 Jahren liegen dürfte, wobei viele Töchter ihre Mütter ausführen. Und die haben allesamt den Zeitgeist der Froboess-Kraus-Ära verinnerlicht: Keine Patschhändchen wie bei der so genannten Volksmusik, animiert vom Groove der Kraus-Band wird da ordentlich auf zwei und vier geklatscht, rockig lebhaft, selbst im Sitzen.

Auch mit deutschen Texten auf immergrüne Rock-Titel hat sich Kraus einen Namen gemacht. Da mutiert dann ein „See You Later Alligator“ zum „Zieh doch endlich mal die Jeans aus“. Denn Selbstironie ist für „Rocking Peter“ kein Fremdwort, der selbst wenn er einmal den Text vergisst, dies pfiffig in seine Show mit einbaut.

Natürlich dürfen die Kraus’schen Legenden wie „Sugar Baby“ oder „Diana“ nicht fehlen. Erträglich macht das eine Band, die auch den Schlager jazzig garniert – und daran spürbar Spaß hat. Einfach köstlich, wie Kraus Superstar-Posen auf die Schippe nimmt, indem er „Ich bin der Tiger!“ ins Publikum brüllt – und ein vielfaches (Teenie-)Gekreische erntet. Dann wünscht man dem souveränen, US-Stars wie dem unvergessenen Dean Martin kaum nachstehenden Entertainer „Rock’n’Roll Forever“ und ein langes Leben. Selbstverständlich auch seinem Publikum.

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