Einer von den Guten

Darmstadt - „Das Ende der Beschwerde“ heißt das neue Studioalbum von Peter Licht. Und beschweren mag sich in der Darmstädter Centralstation augenscheinlich niemand. Etwas an diesem Abend nicht okay zu finden, wäre vermutlich politisch unkorrekt. Von Anke Steinfadt

Also wird applaudiert, wenn auch oft verhalten – und gelacht, wozu es bei den wunderbar abstrusen Gedankenstafetten des Pop-Intellektuellen guten Grund gibt.

Die Songs aus dem mittlerweile fünften Album stellt Peter Licht, begleitet von einer gut aufgelegten vierköpfigen Band, nahezu komplett vor. Alle folgen, im Tempo variierend, dem eingängigen Popmusikschema, auch die Single-Auskopplung „Neue Idee“. Jedoch bleiben Textzeilen wie „Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Menschen nicht wären“ haften. Die Leichtigkeit der Töne kontrastiert mit melancholischen und bissigen Inhalten.

Im Laufe des zweistündigen Programms stellt der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Kostproben seines literarischen Schaffens vor. So hörenswert die Texte über Absurditäten des Lebens sind, so störend wirken die Unterbrechungen im musikalischen Ablauf. Reaktionen aus dem Publikum ernten vor allem Songs aus den Vorgängeralben wie etwa „Trennungslied“, „Safarinachmittag“ und „Die transsylvanische Verwandte ist da“. Den bislang größten Erfolg „Sonnendeck“ gibt es als Zugabe in abgewandelter Fassung.

Es spricht sehr vieles dafür, Peter Licht zu mögen. Und es ist auch schön, den Mann, der sein Gesicht auf Pressefotos verbirgt, endlich mit eigenen Augen zu sehen. Zweifellos ist der gesellschaftskritische Songpoet einer von den Guten. Jedoch nicht zwingend live auf der Bühne. Für eine ernsthafte Beschwerde reicht diese Feststellung allerdings nicht.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/ Waldemar Peter

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