Konzert in der Frankfurter Festhalle

Neues vom Steppenwolf Peter Maffay

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Drei Stunden voller Einsatz für sein Publikum: Peter Maffay spielte in Frankfurt nicht nur neue Stücke vom Album „Wenn das so ist“.

Frankfurt - Peter Maffay arbeitet in der proppenvollen Frankfurter Festhalle nicht nur ausgiebig sein neuestes Erfolgsalbum „Wenn das so ist“ ab, er nimmt auch grimmig Stellung zur aktuellen Weltlage. Von Peter H. Müller

Ganz nebenbei feiert der 65-jährige Harley-Davidson-Fan dann noch Elvis Presley, Neil Young und andere Idole, fährt munter Fahrrad, verschenkt eine Fender-E-Gitarre, erinnert an Veranstalterlegende Fritz Rau und begrüßt endlich wieder ein Saxofon in seiner Band, die drei Stunden gutes, ehrliches Handwerk abliefert. Man kann sich das heute ja kaum noch vorstellen: Anno 1982, als Peter Maffay mal das Aufwärmprogramm für die Rolling Stones spielen sollte, wurde er mit Tomaten und Eiern beworfen. Ein Jahr später, mit „Eiszeit“ hatte er gerade den Krieg angeprangert, hielt man ihm dann bei der größten deutschen Friedens-Demo ein Transparent mit dem unschönen Slogan „Lieber Pershing II als Peter Maffay!“ entgegen - und er verließ deprimiert die Bühne, nach nur einem Song.

Lang ist´s her, aber die 1980-er meinten es nicht gut mit dem oft missverstandenen Mann, den Ulknudel Helge Schneider gern als „Muräne aus Muränien“ veralbert und der „Spiegel“ als „Messias des Mittelmaßes“ ausgemacht hatte. Heute, mit 65 Lebensjahren auf dem Buckel und 50 Millionen verkauften Alben, ist Peter Maffay längst so etwas wie ein unverwüstlicher Konsens-Rock-Arbeiter, einer, der verlässlich Steine klopft, Fans aus drei Generationen zusammenbringt, sein Publikum duzt und sich nicht mehr verbiegen lässt. Vielleicht darf „Niemals war es besser“, sein Eröffnungssong beim Konzert in der Frankfurter Festhalle, auch als Bilanz in eigener Sache gelesen werden.

Nah dran an der Fangemeinde

Seit ein paar Tagen ist der musizierende Biker nun in Deutschlands größten Hallen unterwegs und so nah dran an der Fangemeinde wie selten: Auch in Frankfurt ist dafür ein LED-illuminiertes Bühnen-Oval aufgebaut worden, eine Art 360-Grad-Laufbahn, auf der sich Maffay schon in der Auftaktviertelstunde („Wenn der Himmel weint“, „Wer liebt“, „Nur du hörst“) Kilometergeld verdient. Er hat wie immer seine Stamm-Band dabei, mit Drummer Bertram Engel, Keyboarder Pascal Kravetz, Bass-Opa Ken Taylor und Gitarrero Carl Carlton, der neben dem 1,68 Meter kleinen Hauptdarsteller stets wie ein 2,50-Meter-Marabu wirkt.

Neu im dreifach Backvocal-unterstützten Team sind dagegen Violinistin Jenny Bae und Everett Harp (Sax), der gerade den frisch aufgelegten Songs eine gute Portion Springsteen-Sound einhaucht. „Wenn das so ist“, das aktuelle Album aus Easy-Rider-Stücken („Gelobtes Land“), solide groovendem Mainstream-Rock („Sie bleibt“) und Balladen („Nah bei mir“) gibt denn auch das Programm der ersten Halbzeit, deren Ende fast im Pathos ertrinkt. Vor einem rührseligen Hymne „Halleluja“ wettert Maffay in einer langen Predigt gegen Intoleranz, Terrorismus, Rassismus, Fanatiker und andere Rattenfänger. „Dagegen müssen wir alle gemeinsam aufstehn!“ Im Hintergrund leuchtet „Je suis Charlie“.

Konzert von Peter Maffay in der Festhalle

Konzert von Peter Maffay in der Festhalle

Das ist natürlich sehr plakativ, wie es immer plakativ ist, wenn er seinen Fans eine Botschaft mit auf den Heimweg gibt. Aber die Zuschauer wissen es zu schätzen, wenn einer Zeichen setzt - wie wohlfeil sie auch sein mögen. Gewöhnungsbedürftig kann man auch das anschließende Medley „von Leuten, die uns alle inspiriert haben“, finden: „Heart Of Gold“, „Love Me tender“, „Angie“, „My Sharona“ oder „Born To Be Wild“ im Ein-Minuten-Takt - das wirkt so beliebig, wie es zuweilen den Originalen weh tut, zumal auch Carl Carlton und Co. singen dürfen.

Maffay hat sich neben der E-Gitarren-Verlosung, seiner entzückend selbstironischen Fahrt mit dem BMX-Rad und drei Schlagzeug-Bestecken zu „Schatten in die Haut tätowiert“ für die Tour noch ein besonderes Best-of-Schmankerl ausgedacht: Die letzten 30 Minuten seiner Dreistunden-Schicht gehören dem Publikum, genauer gesagt den Wunschsongs, die von den Fans per SMS-Voting ausgeguckt worden sind. Mit „Eiszeit“, „Tiefer“ und den unvermeidlichen „Sieben Brücken“ geht es also ins Finale, in dem die Arena mit den ollen Gassenhauern noch einmal kräftig durchgerüttelt wird.

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