Night of the Proms

Phänomenaler Dauerläufer

Frankfurt - An der Kasse werden gleich Karten für das Konzert im Dezember 2013 an gleicher Stelle angeboten. Die Night of the Proms ist ein Dauerläufer, ein Phänomen der Unterhaltungsbranche. Von Stefan Michalzik

Der Kolportage nach ist die Idee 1985 bei einer Studentenparty in Antwerpen entstanden. Offenkundig ist damit ein Nerv bei einem Publikum von meist mittlerem Alter getroffen worden, die großen Konzertarenen, wie jetzt wieder die Frankfurter Festhalle, sind immer wieder bestens gefüllt. Die Dramaturgie ist die einer Fernsehshow. Den Moderator hat man sich auch gleich von dort geholt. Der alerte Markus Othmer ist ein prächtiges Beispiel dafür, dass man bei der öffentlich-rechtlichen ARD längst genauso glatt, unoriginell und unbedarft daherplappern darf wie bei den Privaten.

Präsentiert wird eine Auswahl von wohlbekannten musikalischen Schmankerln, auf die sich möglichst viele einigen können. Der Abend hebt an mit Phil Collins’ „In The Air Tonight“ in der Fassung von Naturally 7, die sich später noch mit kunsthandwerklich virtuos vokalisierten Rockgitarrensoli und einer Version des einstigen Indiepophits „Seven Nation Army“ von den White Stripes hervortun wird.

Ein Meer von blauweißen Lichtlein

Das schon zum 800. Mal bei den Proms von Robert Groslot geleitete Orchester nennt sich Il Novecento, was sich zu Unrecht nach einem Spezialistenensemble anhört. Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette „Die schöne Galathée“, tönt wie von fern aus den Lautsprechern. Interpretatorisch gibt es, so weit unter diesen Umständen überhaupt zu beurteilen, auch später bei dem Kopfsatz von Beethovens fünfter Sinfonie Graubrot ohne markante Akzentsetzungen.

Im „klassischen“ Teil ward neben einer Orchesterfassung von Bachs vielstrapazierter Toccata und Fuge BWV 565 noch der junge Crossover-Harfenist Remy van Kesteren aufgeboten. Auf der Popseite dürfen Jupiter Jones einige ihrer soften 08/15-Deutschpopnummern vortragen, bevor die stimmlich starke Anastacia sowie der offensiv harmlose Soul-Verweser Mick Hucknall jeweils rund eine Handvoll Hits in Plusterfassungen abliefern. Kein Gedanke daran, dass man wenigstens etwas spielerisch mit dem Orchesterapparat samt integrierter Electric Band umgehen könnte. Dafür leuchtet bei den Balladen ein Meer von blauweißen Lichtlein, mit denen die Zuschauer ausgerüstet worden sind. Seit 27 Jahren ist das britische One-Hit-Wonder John Miles dabei, das mit der Night of the Proms und dem Hit „Music“ von 1976 seine Lebensversicherung gefunden hat. Selbst diesem gigantomanischen Schmachtfetzen ist an diesem Abend noch viel von der ursprünglichen hymnischen Expressivität ausgetrieben worden.

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