Pharrell Williams in der Festhalle

Langes Warten auf das eine Lied

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Frankfurt - Pharrell Williams spannt das Publikum in der Festhalle lange auf die Folter und spielt zum Schluss das eine Lied. Von Ronny Paul

Der momentan erfolgreichste Pop-Star der Welt kommt in die Frankfurter Festhalle. Doch vor Konzertbeginn gellendes Pfeifen - Was ist passiert? Das Publikum quittiert langes Warten auf den Showstart. Denn bis Pharrell Williams endlich in roten Turnschuhen, weißer Jacke und rotem Hut die Bühne betritt, haben einige Fans bereits vier Stunden und zwei Vorbands gewartet: Einlass 18.30 Uhr, verspäteter Konzertbeginn 22.25 Uhr.

Da sind viele Zuschauer gar nicht „happy“. 70 Minuten später, als der 41-Jährige seinen Welthit als dritte Zugabe spielt, dagegen schon: Auf „Happy“ haben alle gewartet - die prall gefüllte Festhalle feiert, tanzt und singt mit. Allein wegen des Liedes sind wohl die Meisten gekommen. Und „Happy“ stimmt wahrscheinlich auch diejenigen zufrieden, die zuvor gepfiffen haben. Doch obwohl der Nummer-Eins-Hit den Abend abrundet, hinterlässt Pharrells Konzert einen faden Nachgeschmack: Außer den technischen Problemen, die den Beginn verzögert haben, wirkt der Auftritt des 41-Jährigen wie eine zusammengewürfelte und mit wenig Esprit konzipierte Show. Die grafischen Elemente auf den Videoleinwänden haben kaum mehr zu bieten, als ein Bildschirmschoner der im Hintergrund flimmert.

Kaum Überraschungen

Auch Pharrells Kommunikation mit dem Publikum ist sehr routiniert und birgt keine Überraschungen: „Frankfurt, habt ihr Spaß?“ oder „Seid ihr happy?“. Seine sechsköpfige Band in der Besetzung Schlagzeug, E-Gitarre, Bass, DJ und zwei Backgroundsängerinnen liefert eine solide Basis für Pharrells Falsett-Gesang. Doch der für den Amerikaner auf Platte so prägnante staubtrockene Rhythmus verliert sich unter der halligen Kuppel der Festhalle. Es entsteht ein Soundbrei, der Pharrells Gesang oft in den Hintergrund drückt. In den Hintergrund tritt der Sänger im Laufe des Abends immer wieder zugunsten von fünf Tänzerinnen: Für die verlassen Pharrell und Band kurzzeitig die Bühne und überlassen sie den tanzenden Frauen.

Überhaupt stehen Frauen während des gesamten Abends im Mittelpunkt - sowohl textlich als auch dramaturgisch: Bei „She Wants To Move“ holt Pharrell sich mehrere weibliche Fans zum Tanzen auf die Bühne. Bei einer Kollektivumarmung mit den Frauen – ganz im Zeichen des Tourmottos „The Dear Girl“ - verliert der Pop-Star für einen kurzen Moment die am Abend überwiegende Distanz zum Publikum. Dass sich Pharrell vor allem als Hit-Produzent für namhafte Künstler wie Jay-Z, Gwen Stefani oder Busta Rhymes einen Namen gemacht hat, kommt ihm bei seiner Tour zugute. Die Kollaborationen mit den Künstlern wie Nellys „Hot In Here“ oder Snoop Doggs „Drop It Like It’s Hot“ füllen die Show.

Ganze zehn Titel spult der 41-Jährige wenig inspiriert runter: Den Songs fehlen eindeutig die jeweiligen Sänger. Viele eigene Songs hat Pharrell noch nicht zu bieten. Die Charthits „Marylin Monroe“ und „Happy“ brauchen schließlich einen Rahmen, der die teuren Konzerttickets rechtfertigt. Nur sieben der insgesamt 20 Lieder stammen aus seiner Feder, alle vom aktuellen Album „Girl“. Songs aus seinem ersten Langspieler „In My Mind“ lässt er aus. Sie passen scheinbar nicht in die Reihe aneinandergereihter Radiohits. Dafür spielt er mit „Rock Star“, „Lapdance“ und „She Wants To Move“ drei Lieder seiner Band „N.E.R.D.“.

Bilder vom Konzert in der Festhalle

Pharrell Williams in der Frankfurter Festhalle

Des Trios letzte Veröffentlichung um Pharrells Produzenten-Kollege Chad Hugo und Sänger Shay Haley liegt schon vier Jahre zurück. Pharrell arbeitet im Moment lieber Solo und hat in der Zwischenzeit mit Daft Punk und Robin Thickle zwei Titel an die Spitze der Hitlisten gebracht: „Get Lucky“ und „Blurred Lines“. Die beiden Lieder beenden den Hauptteil der Show. Der Pop-Star verlässt die Bühne, um dann für drei Zugaben noch einmal zurückzukommen und das Publikum nach einer zusammenhangslosen Hitüberfrachtung mit dem einen Lied, doch noch „happy“ zu machen.

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