Philipp Poisel in der Alten Oper Frankfurt

Frankfurt - So richtig hell wird es an diesem Abend im Großen Saal der Alten Oper eigentlich nie. Stattdessen steht Philipp Poisel, der mit „Projekt Seerosenteich“ in Frankfurt gastiert, in diffusem Halbdunkel. Von Maren Cornils

Mitunter glimmt nur ein einziges Glühbirnchen, das den entspannt auf einem Barhocker sitzenden Sänger spärlich beleuchtet. Ob Poisel auf intime Atmosphäre steht oder zu schüchtern ist, um sich ins grelle Rampenlicht zu stellen? Für seine lyrischen, mitunter als schnulzig geschmähten Songs schafft die schummrige Beleuchtung jedenfalls genau das richtige Ambiente.

Was an Philipp Poisel am meisten erstaunt, ist der Kontrast zwischen Sprech- und Singstimme. Wenn der Sänger, der mit Riesenapplaus begrüßt wird, in den kurzen Umbauphasen über die Entstehungsgeschichte des „Projektes Seerosenteich“ plaudert, dann klingt das, als sei er zuvor Marathon gelaufen und noch nicht ganz aus dem Stimmbruch heraus. Setzt der Grönemeyer-Zögling indes zum Singen an, klingt seine eben noch brüchig und gehetzt klingende Stimme plötzlich melodisch. Mehr noch: Sie zieht den Zuhörer mit ihrer Ausdruckskraft sofort in ihren Bann.

Poisel singt nicht nur von Gefühlen, es gelingt ihm auch mühelos, jede noch so kleine emotionale Nuance hörbar zu machen und Gänsehaut zu beschwören. Ein Phänomen, das den Erfolg des noch nicht einmal 30-Jährigen erklärt, der mit Titeln wie „Wo fängt Dein Himmel an?“ und „Eiserner Steg“, der Titelmelodie zum deutschen Kinoerfolg „What a man“, bekannt wurde.

Zutiefst romantische Liebeserklärungen

Doch es sind nicht nur Poisels zutiefst romantische Liebeserklärungen, die an diesem angenehm unspektakulären Abend dafür sorgen, dass das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute wie gebannt lauscht. Poisel entpuppt sich auch als hervorragender Geschichtenerzähler, der vor einem grandiosen Bühnenbild sein Publikum in ferne Welten entführt. Dazu benötigt er weder bombastische Spezialeffekte, noch großes Tamtam. Mit so schlichten wie wirkungsvollen Hintergrundbildern und selbst gemachten Holzattrappen beschwört er Lageratmosphäre, lässt die Sonne am Meer untergehen oder die Lichter von Sacre Coeur über Paris erstrahlen. Er singt, ab und an von Streichern unterstützt, von Sand in den Schuhen, von perfekten Augenblicken und der Einsamkeit nach einer erloschenen Liebe. Er schildert simple, jedermann bekannte Gefühle, dass es unter die Haut geht.

Dabei, auch das gesteht der locker plaudernde Künstler, fing das „Projekt Seerosenteich“ damit an, dass Poisel in den Baumarkt ging, um einfach mal zu schauen, welche Materialien sich für eine Kulisse eignen. Das Ergebnis ist echte Handarbeit, so wie auch Poisels puristische Lieder von authentischen Texten und der zurückhaltenden, stets aber mit sensibler Hand komponierten Musik leben – zwischen romantischer Liebeserklärung, temporeichen Beats, melancholischer Ballade und relaxtem Feelgood-Sound. Und so kann Philipp Poisel denn auch getrost auf aufwändige Showeinlagen verzichten und mehr als zwei Stunden allein mit seiner Gitarre und minimaler musikalischer Unterstützung bestreiten. Ein Konzert-Juwel!

Rubriklistenbild: © dpa

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