Pianist Kristjan Randalu bei Jazzfest

Erweiterte Horizonte

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Profunde Ausbildung und ein Kanon von Klassik bis Folk: Kristjan Randalus Musik ist einzigartig.

Frankfurt - Auch wenn die hr-Bigband mit ihrem übrigens schon ausverkauften Konzert mit Steely Dan-Arrangements das HfMDK-Jazzfest beschließt, unterscheidet sich das Festival an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt vor allem in einem Punkt wesentlich vom jährlichen Deutschen Jazzfestival. Von Detlef Kinsler 

Denn in der Eschersheimer Landstraße 29-39 präsentieren sich in den meisten der neun Konzerte an vier Abenden vor allem die Lehrenden und Studierenden in unterschiedlichen Ensembles von Duo bis zum Orchester. Auch wenn an der HfMDK, wie in vergangenen Jahren oft moniert, junge Musiker nur während ihrer Lehrerausbildung Jazz und Popularmusik studieren können, so leistet man sich dennoch ein Jazzfest und erklärt sich selbstbewusst zum „Mekka des Jazz“. Präsentiert werden die verschiedenen Stilrichtungen des Jazz, mit eigenen Projekten und Arbeitsergebnissen des laufenden Semesters.

Der Special Guest des Festivals, der am heutigen Mittwochabend um 20 Uhr im Kleinen Saal der HfMDK auftritt, ist ein Glücksfall für das Festival. Denn Kristjan Randalu, der aus Estland anreist, hat in seiner Heimat mit „Enter Denter“ ein beachtenswertes Album eingespielt. Begleitet vom Tallinn Chamber Orchestra gelingt dem Pianisten Musik zwischen Klassik (romantisch bis zeitgenössisch), Jazz und baltischen Folkmotiven. Die Titel, die übersetzt „Rainbow“, „Teddy-Bear’s Lullaby“, „Pipi Longstocking“ und „Doll’s Lullaby“ heißen, suggerieren Programmmusik.

Einflüsse wie impressionistische und Minimal Music lassen sich herausfiltern, die Orchesterparts sind auskomponiert, die Pianopassagen oft improvisiert. Ein unwiderstehlicher Mix, konkret wie abstrakt, dabei immer ausdrucksstark. In Frankfurt wird Randalu, der seine Kindheit in Karlsruhe verbrachte, in Stuttgart und später in London sowie New York studierte, eine auf Streichquartett reduzierte Version spielen - natürlich mit Studierenden der Hochschule.

Echtes Vorbild für die Studenten

„Dass er mit seiner profunden klassischen Ausbildung den Typus des umfassend ausgebildeten und sich über Stilgrenzen frei entfaltenden, modernen Jazzmusikers repräsentiert, passt in diesem Zusammenhang auch gut zu unseren Studierenden“, sagt HfMDK-Professor Ralph Abelein. „Die haben ja die klassische Seite schon mehr oder weniger professionell für sich entdeckt und sind gegenüber Zugängen zur improvisierten Musik von dieser Position aus sehr interessiert.“

Das Beste aus gleich mehreren Welten, musikalisch wie räumlich, damit ist Randalu ein echtes Vorbild für die Studenten. Horizonterweiternd wie die Zusammenarbeit des mehrfach ausgezeichneten Solisten, der u.a. auch mit Jazzgrößen wie dem US-Saxophonisten Dave Liebman, dem vietnamesischen Gitarristen Nguyên Lê, dem norwegischen Ausnahme-Trompeter Nils Petter Molvær und dem tunesischen Oud-Spieler Dhafer Youssef arbeitete. Das prägt.

„HfMDK Jazzfest 2014“ bis 31. Januar in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 29-39, Karten unter karten@hfmdk-frankfurt.de

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