Piano-Doppel mit gebremster Leidenschaft

Wiesbaden - Beide Pianisten sind langjährige Wegbegleiter des Rheingau Musik Festivals. Der eine, Christoph Eschenbach, hat bald das Orchester als weiteres Medium für sich entdeckt, leitet als Chefdirigent Ensembles in Paris und Washington. Von Axel Zibulski

Am Dirigieren hat sich der andere, Tzimon Barto, in seiner wechselhaften Karriere auch versucht – mit deutlich geringerem Erfolg. Am Flügel jedoch, das wurde im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses bald klar, ist Tzimon Barto heute der genauer, nuancierter, farbiger Spielende der beiden Künstler.

Doch kam es bei diesem Duo-Klavierabend des Rheingau Musik Festivals auf höchste pianistische Kongruenz eigentlich gar nicht an. Die überlassen Eschenbach und Barto lieber jenen seit früher Kindheit aufeinander eintrainierten Geschwister-Duos, die man meist als pianistische Doppel hört. Diese Podiums-Begegnung, die übrigens nicht Teil einer Tournee, sondern in diesem Sommer exklusiv in Wiesbaden zu erleben war, hatte andere Spannungsmomente.

„Sechs Studien für Pedalflügel“

Zum Beispiel beim kontemplativen Zueinanderfinden in fünf der „Sechs Studien für Pedalflügel“ Robert Schumanns, wie sie Claude Debussy für Klavierduo bearbeitet hat. Barto und Eschenbachs arbeiteten deren Kanon-Spiele, die wechselseitigen Imitationen, den streng an Johann Sebastian Bach geschulten Satz vorbildlich und transparent nach, mit besonders schönen Pianissimo-Noten von Tzimon Barto.

Dass beide Pianisten danach die Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940 nicht, wie von Franz Schubert vorgesehen, an einem, sondern an zwei Flügeln spielten, mag die gebremste bis distanzierte Leidenschaftlichkeit in der Auseinandersetzung mit diesem Werk erklären. Zusammen an einem Flügel hörte man beide Pianisten erst ganz am Ende des Konzerts, in der einzigen Zugabe, dem langsamen Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate D-Dur KV 381.

Zweite Programmhälfte mit einem Solo

Eröffnet hatte Tzimon Barto die zweite Programmhälfte mit einem Solo: Die „sechs Etüden“ des 1979 geborenen Engländers George King sind das Gewinner-Stück eines von Barto selbst ausgelobten Komponisten-Preises. Sie erinnern an Strawinsky, Bartók, Ravel und sind hörbar auf den Spender zugeschnitten, der in der Schluss-Etüde mit seinem Body-Builder-Forte ebenso auftrumpfen durfte wie zuvor mit seiner Vorliebe für hochsensibel ausgetupfte Passagen.

Jene Sonate f-Moll für zwei Klaviere schließlich, die Johannes Brahms selbst als Vorarbeit zu seinem Klavierquintett op. 34 veröffentlichte, war das umfangreiche Hauptwerk des ziemlich langen Abends, im elegischen Ausschweifen des zweiten Satzes ebenso spannungsvoll abgestimmt wie in den akzentuierten Härten des dritten und dem akkordisch-dichten Drive des letzten Satzes.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Elisabeth Erbe

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