Mit Zither in Krieg gezogen

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Ein Liederabend von betörender Schlichtheit - PJ Harvey in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Frankfurt - Was für ein wohlgelauntes, beinahe beschwingtes Konzert! Ein Liederabend von betörender Schlichtheit: Weit links an der Rampe, fern der optisch in den Hintergrund gerückten Band, steht die Sängerin fast den ganzen Abend über bewegungslos am Mikrofon. Von Stefan Michalzik

Die Bühne wird sparsam beleuchtet. Keine Ansagen, keine Kommunikation mit dem Publikum, am Schluss werden kurz und freundlich die Musiker vorgestellt.

In die dunklen Winkel der Seele hat sich PJ Harvey, die in der Frankfurter Jahrhunderthalle gastierte, mit ihren Songs immer wieder begeben. Ungemein entspannt wirkt die bislang für ihre Expressivität bekannte Sängerin. Das programmatische Motiv des neuen Albums „Let England Shake“, dessen Songs das Konzertprogramm prägen, ist die kriegerische Geschichte der einstigen Weltmacht, Auslöser war die Verwicklung in den Konflikt in Afghanistan.

Die Zither ist die neue Rhythmusgitarre PJ Harveys. Fast babygleich hält sie das Instrument vor ihrer Brust, ganz in schwarz gehüllt, mit einem Federschweif im Haar. Musikalische Leichtigkeit steht im Spannungsverhältnis zu den Bildern der Songs.

PJ Harvey singt mit einer ungeahnt zarten und doch festen, mit viel Inbrunst aufgeladenen Stimme. Eine wunderbar selbstverständliche Präsenz zeichnet die Begleitung durch die famose Band aus, langjährige Weggefährten um Mentor John Parish, der zwischen Keyboard und Gitarre wechselt, dem Bassisten, Gitarristen und Keyboarder Mick Harvey und dem Schlagzeuger Jean Marc Butty. Das Publikum feiert PJ Harvey schon bei den neuen Songs gehörig und bei den ihres Rockkleides beraubten alten Klassikern erst recht.

PJ Harvey ist eine Popkünstlerin, die gleichsam über den Dingen steht. Und sie ist in der Phase des in der Popmusik früh beginnenden Spätwerks angekommen, das eine Ausdifferenzierung der Mittel kennzeichnet. Es ist ein Anfang, wie man ihn sich glücklicher kaum hätte wünschen können.

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