Planeten, Pomp und Pop

Breitwand muss schon sein. Himmelskörper wandern über den Hintergrund. Die Titel der einzelnen Sätze der Suite „Die Planeten“, mit der Komponist Gustav Holst 1914 bis 1917 die Blaupause für spätere filmische Weltraumabenteuer geschaffen hat, steigen wie Filmtitel in fetten Lettern auf.

Seit Paavo Järvi Chefdirigent ist, geht das hr-.Sinfonieorchester mit dem „Music Discovery Project“ auf die Suche nach einem jungen Publikum. Der Berliner Dj und Produzent Paul van Dyk traf diesmal in der Höchster Jahrhunderthalle mit dem Orchester zusammen. Das Prinzip: Ein populäres Werk der Klassik wird zunächst im Original gespielt und hernach für die Fantasien des Popmusikers freigegeben.

Glücklicherweise unbeeinträchtigt durch etwaige Unerquicklichkeiten der elektroakustischen Verstärkung bestach Järvi durch eine bei aller Nüchternheit des Zugriffs ungemein rege Lesart des durch Astrologie motivierten Holst-Zyklus. In einem Wechsel von Pomp und romantisierenden Szenen.

Es wurde – mit Duldung Järvis – geklatscht zwischen den Sätzen. Erster Bruch eines Tabus im Konzertsaal. Der allmählich verklingende Frauenchor am Schluss kam aus dem digitalen Speicher. Zweiter Tabubruch.

Es ist eben letztlich ein Popkonzert, mit einer munter plappernden Moderatorin des Jugendsenders you.fm und einem Publikum, das überwiegend zu dessen Zielgruppe gehört.

Järvi wurde am Ende kaum weniger gefeiert als van Dyk, der unter dramatischen Nebel zu den letzten Klängen aus dem Orchestergraben aufgetaucht war. Er hatte seine fünfköpfige Band dabei sowie vier sich abwechselnde Sängerinnen und Sänger, allesamt mehr oder weniger vom Soul infiziert.

An Weichspüler spart van Dyk nicht. Das führt mitunter zu interessanten klanglichen Momenten, allerdings eher im Sinne eines vordergründigen Reizes. Mehr war wahrscheinlich auch gar nicht angestrebt. Letztlich bleibt es aber dergestalt bei einem wechselseitigen Beschnüffeln zweier Imperien. Ein wahrer Austausch würde eine tiefere Durchdringung voraussetzen.

SEBASTIAN HANSEN

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