Begegnung auf Augenhöhe

Dreieich - „It Don’t Mean A Thing, If It Ain’t Got That Swing“: Die Titelzeile des Duke-Ellington-Standards ist bei Chorleiter Matthias Becker Programm. Von Carsten Müller 

Und wenn der von ihm seit fast 35 Jahren betreute Jazz-Pop-Chor Soundsation aus Neu-Isenburg auf der Bühne steht, wie jetzt im ausverkauften Sprendlinger Bürgerhaus, dann swingt und groovt es auf hohem Niveau. Vertrackte Rhythmen und harmonische Verschiebungen sind für die rund 30 Sänger keine Hindernisse, sondern willkommene Herausforderungen, die hoch konzentriert, aber mit sichtlicher Begeisterung, sauberer Intonation, ausgewogenem Chorklang angenommen werden.

Das beginnt noch ganz verhalten bei Darmon Meaders luftigem Jazzstück „I Could Write A Book“. steigert sich über A-cappella-Nummern wie dem finnischen Volkslied „Nouse Lausuni“ und dynamische Wechselbäder wie in der Beatles-Vertonung „In My Live“ bis hin zur Liedbegleitung: Matthias Beckers kann sich bei seiner Eigenkomposition „You’re Gone“ ganz aufs Klavierspiel konzentrieren, weil der Chor auf den Punkt vorbereitet ist. Aber auch die Solisten dürfen glänzen, „Stoned Soul Picnic“ wird zur Glanznummer der Human Beat Box, gleich vier Solisten improvisieren beim jazzigen „Just Friends“. Von Oliver Gies’ rhythmisch akzentuierter Vertonung „Die Gedanken sind frei“ ist das Publikum derart gebannt, dass die euphorisierende Wirkung von Earth, Wind and Fires „September“ schier verpufft.

Der Abend freilich ist als Doppelkonzert angekündigt, und nach der Pause entert einer der international führenden Pop-Rock-Jazz-Chöre die Bühne. Vocal Line aus dem dänischen Århus beeindruckt auf Anhieb mit enormer körperlicher und vokaler Präsenz, ebenso mit dem Stimmpotential seiner Solisten. Aufgekratzt die Eröffnung mit „Gør Det Kort“, elegisch Peter Gabriels „The Blood Of Eden“. Und Björks „Hyperballad“ machen Solistin Laura Leunbach und der perfekt das Tempo dosierende Chor zum Bravourstück. Leiter Jens Johansen ist ein virtuoser Maler der Klänge und Stimmen. Zart tupft er Nick Caves „In My Arms“, lässt mit schwungvollem Strich einen „Helicopter“ durch die Stimmgruppen rotieren, trägt satte Farben in „Here’s To Life“ auf. Zu guter Letzt geben die Tenöre in „Geek In The Pink“ eine unterhaltsame Boygroup-Einlage. „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel und den finalen Coldplay-Hit „Viva La Vida“ bestreiten Vocal Line gemeinsam mit Soundsation - bezeichnend für eine Begegnung auf Augenhöhe.

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