Prächtige Kantaten

Offenbach - Es ist eine glückliche Fügung, wenn die Sopranistin Margriet Buchberger gleich zweimal in Offenbach gastiert. In Rumpenheims Schlosskirche zeigte die Sopranistin nun ihre starke italienische Seite. Von Reinhold Gries

In gefühlvollen Arien und Rezitativen vonAlessandro Scarlattis Kammerkantate „Ardo, é ver, per te d´Amore“ nahm die Eichstätterin Fahrt auf, angefeuert von Arie Hordijks Flötenwirbeln und Markus Steins flinken Cembaloläufen. In Giulio Caccinis Solo-Lied „Amarilli mia bella“ malte die in Mailand Ausgebildete zwischen Aufwallungen des Schreckens und Zweifels stimmschöne Bilder.

„Lascia ch´io pianga“, die Sarabanden-Arie der Almirena aus „Rinaldo“, verwandelte Buchberger beinahe zum Improvisationsstück. Komponist Georg Friedrich Händel hätte sich über derlei Fantasie und Sangeskunst ebenso gefreut wie über die Darbietung seiner prachtvoll fugierten Solokantate „Pastorella vagha bella“.

„All´ ombra di sospetto“

In Bestform präsentierte sich auch Hordijk, der bereits in Ecksätzen der Scarlatti-Kantate für engelhafte Tonfolgen sorgte, diese in Antonio Vivaldis Kantate „All´ ombra di sospetto“ weiter steigerte. Seine Läufe, Trillerketten und Sprünge setzten in Wechseln und Imitationen mit Buchbergers Zaubersopran Höhepunkte, zumal Stein Ariosi und Rezitative mit silbrigem Continuo grundierte. Alle Register barocker Affektkunst zogen Hordijk und Stein auch in Arcangelo Corellis anspruchsvoller „La Follia“, das harmonische Grundmodell immer neu variierend. Ähnlich virtuos das Duett der Originalklangspezialisten in der Blockflötensonate Nr. 3 aus Vivaldis Sammlung „Il Pastor Fido“. Ein Sonderlob verdiente sich Solist Stein in Bernardo Storaces „Ciaconna in C“. Die unerhörte Schichtung polyphoner Motive und harmonischer Rückungen absolvierte er mit kaum zu bremsendem Spielwitz. Der Rumpenheimer Barockabend hatte nicht einen Star, sondern deren drei.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gerd Altmann

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