Preis für Probeschweiß

Langen - Ein bisschen ist es wie beim Sport. Das lange, ausdauernde Üben vor dem Wettkampf, die Bewertungen der Jury, die Aufregung, ehe es los geht. Doch am Wochenende lief sich in Langen niemand warm oder dehnte seine Glieder. Von Katharina Skalli

Die Musikschule hatte zum Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ gebeten. Etwa 90 Teilnehmer aus der Region Langen, dem Kreis Offenbach, der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis hatten sich angemeldet und vorbereitet, um der Jury ihr Können zu demonstrieren. In diesem Jahr traten die Kinder und Jugendlichen in drei Kategorien an: Klavier solo, Schlagzeug (Drum-Set) sowie Bläserensembles. Je nach Alter dauert das Vorspiel zwischen sechs und 30 Minuten. Eine Zeit, in der manche Mutter oder Musiklehrerin den Atem anhält. „Denn ein wenig werden auch die Lehrer mitbewertet“, verrät Uwe Sandvoß, Leiter der Musikschule Langen und Regionalvorsitzender des Deutschen Musikrats, Veranstalter des Wettbewerbs.

Louisa Leng betritt mit großen Augen den Raum, in dem sie vorspielen soll. Fest drückt sie die bunt markierten Notenblätter an ihren Bauch unter dem rosa Kleid, das sie für den großen Tag ausgesucht hat. Es ist Louisas erster Auftritt vor einer Jury, und die junge Langenerin kann ihre Aufregung kaum verbergen. Lehrer Martin Stroh lächelt ihr aufmunternd zu. Ehe es ernst wird, will er mit der Achtjährigen in Ruhe die Stücke durchgehen.

„G8 eine Katastrophe“

Katharina Weidl und Jennifer Krahn haben ihren Auftritt bereits hinter sich. „Es lief ganz gut“, glaubt Katharina. Für beide ist es nicht der erste Wettbewerb, die Aufregung hält sich in Grenzen. „Wenn man auf der Bühne steht, ist man entspannt“, sagt Jennifer. Sie spielt seit sieben Jahren Querflöte und kommt zweimal die Woche zum Unterricht in die Musikschule Langen. Einmal pro Woche spielt sie im Orchester. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht, auch wenn sie versichert, dass sie Schule und Hobby in Zeiten von G8 gut vereinbaren kann. Louisas Lehrer Stroh ist anderer Meinung: „G8 empfinde ich als Katastrophe.“ Sandvoß sieht das ähnlich: „Alle außerschulischen Aktivitäten leiden unter G8.“ Dennoch kann die Musikschule nicht klagen. Durch erfolgreiche Kooperationen mit Schulen fängt die Einrichtung drohende Abmeldungen auf.

Louisa ist mit ihrem Vorspiel an der Reihe. Sie stellt sich mit ihren Notenblättern vor die Jury und verbeugt sich. Sie lächelt. Endlich. Die Anspannung scheint verflogen. Wahrscheinlich ist es so, wie Jennifer und Katharina es sagen.

Sandvoß kann die Aufregung seiner Schützlinge gut verstehen. Ihm geht es ähnlich: „Man fiebert immer mit.“ Nach dem Vorspiel von Katharina und Jennifer wirft er einen Blick auf die Bewertung. Sie haben es geschafft: Mit 23 von 24 Punkten belegen sie Platz eins der Bläserensemble in ihrer Altersklasse. Und mit diesem guten Ergebnis dürfen sie im März zum Landeswettbewerb nach Schlitz fahren.

Die Landesbesten nehmen am Bundeswettbewerb teil

Seine Einrichtung richtet den Wettbewerb nicht zum ersten Mal aus. Wie beim Sport bereiten sich die jungen Musiker mehrere Monate auf die Aufführung vor. „Die Vorbereitung ist mit viel Arbeit verbunden“, weiß der Fachmann. Etwa sechs Monate üben die Teilnehmer, die zwischen sechs und 18 Jahre alt sind, ihre Musikstücke ein, feilen an jedem Ton und proben, bis jede Note sitzt und die Finger wie von allein über die schwarzen und weißen Tasten ihres Pianos fliegen. Teilnehmen kann, jeder der möchte; doch in der Regel schlagen die Musiklehrer besonders talentierte Kinder vor.

Erst am Ende steht fest, wie viele Gewinner es gibt. Jedes Jahr wird eine unterschiedliche Zahl von Preisträgern gekürt, je nachdem, wie viele Nachwuchsmusiker die Jury mit ihrem Können überzeugen. Die Besten eines Bundeslands nehmen schließlich am Bundeswettbewerb teil. „Aber richtige Verlierer gibt es keine“, versichert Sandvoß.

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