Premiere im Nachtsalon

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Inniges Zusammenspiel: Rebekka Bakken und die hr-Bigband sind auch bei den Burgfestspielen Dreieich zu Gast.

Frankfurt - Zum ersten Mal lud der Hessische Rundfunk zur Vorstellung der nächsten hr-Bigband-Saison in den Nachtsalon des Logenhauses im Finkenhof ein. Von Detlef Kinsler 

Nicht genug damit setzte sich Chefdirigent Jim McNeely an den Flügel, Bigband-Manager Olaf Stötzler schnappte sich eine Gitarre, und mit Bassist Thomas Heidepriem stimmten sie musikalisch auf die Pressekonferenz ein. Hörfunkdirektor Heinz-Dieter Sommer begründete den Ortswechsel vom Funkhaus in den kuscheligen Salon mit einer Neuigkeit: „Der Verwaltungsrat hat der Verlängerung des Vertrages mit Jim McNeely zugestimmt. “.

Seit der 65-Jährige nach drei Jahren als „Artist in Residence“ 2011 das Orchester übernahm, hat der zweite Klangkörper des Senders neben dem hr-Sinfonieorchester eine rasante Entwicklung genommen, ist zu einem „exzellenten Aushängeschild hessischer Kulturarbeit“ geworden, was die vermehrten Einladungen der Bigband zu großen Festivals und zwei „Echo Jazz“ für das „Wunderkammer XXL“-Projekt belegten.

Nur allzu verständlich, dass sich auch der Manager der hr-Bigband, Olaf Stötzler, auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit seinem Orchesterleiter freut, mit dem es gelungen ist, das Klischee einer Bigband in der Wahrnehmung vieler nachhaltig zu durchbrechen. „Eine Bigband kann zeitgenössisch und modern klingen, kann in verschiedene Segmente hineingehen, ob World, Pop, Blues, Soul“, beschreibt Stötzler den von McNeely und seinen Musikern gepflegten „Blick über den Tellerrand“. Diese Strategie trägt Früchte: So äußerte die norwegische Sängerin Rebekka Bakken nach einigen gemeinsamen Konzerten den Wunsch, nicht nur das gemeinsame Tom-Waits-Programm „Little Drop of Poison“ als CD bei Universal zu veröffentlichen, sondern auch ab Mitte Juli zusammen auf eine zwölftägige Tournee zu gehen.

Jim McNeely

McNeely selber, für diesen Frankfurter Pressetermin eigens aus den USA eingeflogen, gab viel von dem Lob zurück an seinen Klangkörper. Wie der in den Jahren des ersten Kontaktes gewachsen sei, begeistert den Chef, auch wie unterschiedlich die einzelnen Solisten in ihrer Spielcharakteristik seien, wie wunderbar sie als Team funktionieren, wie motiviert und inspiriert sie in jedes Konzert, ja schon jede Probe gingen. Das sei keineswegs Standard und man könne sich unschwer vorstellen, dass so manche Hausband eher wie ein Beamtenensemble mit Angestelltenmentalität funktioniert. Der „Spirit“ seiner Formation sei ein anderer, die Spielweise und die Bandbreite der Produktionen, die in seiner US-Heimat so nicht denkbar seien, ohnehin.

Und so stürzen sich alle zusammen ab 27. Juni wieder in neue Abenteuer, eröffnen den MDR Musiksommer, sind erneut beim Rheingau Musik Festival dabei, wagen Ausflüge nach Luxemburg und gastieren natürlich auch wieder bei hr3@night und zwei Mal beim Deutschen Jazzfestival im Oktober im Sendesaal. Nicht zuletzt wagen die hr-Jazzer und Rebekka Bakken einen Abstecher zu den Burgfestspielen nach Dreieichenhain, wo sie am 19. Juli vor der wildromantischen Burgkulisse ihr Tom-Waits-Programm präsentieren. Karten dafür gibt es unter anderem bei Frankfurt Ticket Tel.: 069/1340400 sowie direkt bei den Festspielen Tel.: 06103/60000.

Zu den Topsolisten, auf die sich die Bandmusiker und ihr Chef freuen dürfen, zählen Hochkaräter wie US-Trompeten-Legende Wynton Marsalis, Gitarrist Lionel Loueke, sein Saitenkollege Robben Ford, Klarinettistin Anat Cohen, Organist John Medeski und Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington. Zu den ambitioniertesten Projekten der Saison zählen drei „¡Flamenco!“-Abende, eine Hommage an John Williams’ epochale Band Lifetime und Auftritte mit dem „Hammond-Guru“ Dr. Lonnie Smith.

Das Programm wird abgerundet durch die „Inner Voices“-Reihe, die Solisten der hr-Bigband vorstellt, sowie die umfangreichen, bestens angenommenen Kinder- und Jugendprojekte mit Einzelkonzerten, der Hessen-Schultour, Probebesuchen und dem 6. Hessischen Schulband-Wettbewerb.

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