Ritter, Sauer, Wollny im Park

Propheten spielen auf

Drei Musiker aus zwei Generationen. Was sie eint, ist ein der Konvention abholdes Verständnis von Jazz. Der Tenorsaxofonist Heinz Sauer, einst ein langjähriger Weggefährte von Albert Mangelsdorff, und der zu den auffälligsten jungen Solisten in Deutschland zählende Pianist Michael Wollny bewegen sich auf der Höhe zeitgenössischer Bestrebungen im Jazz. Von Stefan Michalzik

Die Präsenz des Schlagzeugers Bertram Ritter, mit dem Sauer und Wollny im Garten des Frankfurter Liebieghauses aufgetreten sind, erweitert das klangliche Spektrum. Aber die Struktur der Musik hat sich nicht grundlegend verändert. Ritter, ein Generationsgenosse Wollnys, lässt die klassische Aufgabe des rhythmischen Pulsgebers hinter sich. Er spielt im Verbund dieses Trios die Rolle des Schlagwerkers als Klangbildner.

Selten dauert ein Stück mehr als drei oder vier Minuten. Reduktion und Dichte sind die Merkzeichen. Ein Solospiel im klassischen Sinn gibt es nicht. Zwar tritt mal der eine, mal der andere Musiker stärker hervor, durchaus auch allein, meist aber ist sehr schnell wieder ein zweiter mit im Spiel. Gespielt wird in jedem Moment streng am musikalischen Gedanken entlang. Obgleich die frisch zusammengetroffene Triobesetzung nicht geprobt hat, benötigen die erstklassigen Instrumentalisten nicht auch nur eine Minute der Aufwärmphase. Da wird improvisiert, ein andermal mag das alles eine andere Form annehmen. Doch für diesen Sonntagmittag vermittelt sich der Eindruck, es könne nur so sein und keinen Deut anders.

Drei individuell ausgeprägte Sprachen treffen aufeinander, und es entsteht ein von wechselseitiger Einlässlichkeit gekennzeichneter Dialog. Die Atmosphären, die Klangwelten sind verschattet; dem brüchigen, fragenden Ton Heinz Sauers ist mitunter eine lyrische Note eigen. Michael Wollnys Spiel erinnert mitunter an Romantik und Impressionismus.

Doch letztlich weist dieses Trio über die Vorgaben eines jeden Kanons hinaus. Sage niemand mehr, der Jazz sei zwar nicht tot, aber er rieche ein wenig streng. Es gibt sie, die Zukunft des Jazz. Heinz Sauer, Michael Wollny und Bertram Ritter sind drei ihrer Propheten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare