Quadratur des Kreises

Zweifelsohne besitzt Chris Norman eine der charakteristischsten Stimmen. Leicht kratzig und mit samtenem Timbre ausgestattet, erinnert sie schon beim Auftakt „Got It All“ in der gut besuchten Frankfurter Alten Oper immer auch ein wenig an Rod Stewart – freilich ohne an des Schotten künstlerischen Tiefgang heranzureichen.

Aber Norman war ja auch nicht Mitglied der Faces, sondern Sänger und Gitarrist der Teen-Formation Smokie, die als Objekt der Begierde die Herzen zahlreicher Damen höher schlagen ließ. Los wurde der Brite das Etikett des seichten Sangesbruders allerdings auch nicht, als er sich 1986 endgültig von Smokie trennte. Seither versucht er das Unmögliche: Sich als Solist zu etablieren, ohne die glorreichen Zeiten ernsthaft in Frage zu stellen oder gar ganz auszublenden. Gelingen kann die Quadratur des Kreises selbstverständlich nicht. Weiß der für seine 58 Jahre noch erstaunlich jugendlich wirkende Norman doch nur zu genau, das die ihm treu ergebene Fan-Gemeinde vor allem wegen der zahllosen Hits von Smokie die Konzertsäle frequentiert.

Wenig verwunderlich also, dass sanfte Evergreens wie „I’ll Meet You At Midnight“, „Lay Back In The Arms Of Someone“ und das unverwüstliche „Living Next Door To Alice“ im zweistündigen Marathonprogramm einen hohen Stellenwert einnehmen. An einer Hand abzählen lassen sich hingegen Solo-Erfolge wie das von Mr. Allgegenwärtig Dieter Bohlen komponierte „Midnight Lady“ aus den Achtziger Jahren oder aber aktuelleres Material wie das überraschend wenig kommerzielle, dafür umso packendere „The Night Has Turned Cold“. Doch was wirklich zählt, sind die unvergessenen Melodien, die Smokie ab 1975 im Gespann mit Produzent Mickie Most und dem Komponistenteam Nicky Chinn und Mike Chapman in Reihe schalteten.

Chris Norman stellt sich nicht quer, wenn er seinem Publikum gibt, was es verlangt. Auch wenn er Gassenhauer wie „Oh Carol“, „Needles And Pins“ und „It's Your Life“ stets eine Spur härter als im Original von seiner fünfköpfigen Band intonieren lässt. Mitunter rockt das recht derbe, wie bei „Don't Play Your Rock And Roll To Me“ oder bei der kaum wieder zu erkennenden Coverversion von Pat Benatars „Love Is A Battlefield“ im bluesigen Boogie-Rhythmus.

FERDINAND RATHKE

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