Queen Esther Marrow in der Alten Oper

Hund, Papst und Hillary

Frankfurt - Wenn diese Königin Hof hält, ist die Frankfurter Alte Oper dicht besetzt: Queen Esther Marrow und ihre Harlem Gospel Singers sind seit über zwanzig Jahren unterwegs. Von Carsten Müller

Ebenso hell wie die klare, voluminöse und mit enormem Tonumfang gesegnete Stimme der Namensgeberin funkeln die Songperlen aus Soul, Gospel, Blues und Jazz, die sie gemeinsam mit fünfköpfiger Band und acht Vokalisten auf die Bühne bringt. „Königin von Harlem“ hat man die ursprünglich aus Virginia stammende Sängerin genannt, und wie eine Königin tritt sie auf. Nach funky-souligem Intro von Band und Chor vor kerzenumkränztem Queen-Esther-Porträt auf der Großleinwand liefert sie im weißen Paillettenkleid eine mitreißende Paraphrase von „What A Wonderful World“ – jenem Song, der durch Louis Armstrongs Aufnahme 1968 bekannt wurde, schon 1969 zum Repertoire der von Duke Ellington Entdeckten zählte und Titel der Tournee ist.

Zur kitschig wirkenden Homestory („Welcome To My World“) mit Fotos und Videos von Hund, Papst und Hillary Clinton heißt die Gospel-Queen ein begeistertes Publikum willkommen, das verbissen bereit ist, mitteleuropäische Reserviertheit für die nächsten zweieinhalb Stunden hinter sich zu lassen.

Was mühelos gelingt, dank eines vor Freude sprühenden Ensembles aus begnadeten Solisten. Allen voran Tenor Lenard Bonner, dessen Beiträge zum Whitney-Houston-Medley („The Greatest Love Of All“ und „One Moment In Time“) mit enorm druckvollen Höhen aufwarten, während Stimmkollege Rodney Archie seine Soulballade „I Believe“ nach allen Regeln der Kunst zelebriert. Michael Le Melles tief gründender Bass lässt bei der mit Blue Notes gespickten A-capella-Einlage des Männer-Quintetts – Bandleader Anthony Evans hat sich kurz dazugesellt – den Saal vibrieren.

Die Damen stehen freilich nicht zurück, etwa die mit samtiger Stimme beschenkte Altistin Keesha Gumbs oder Roni Suzette Montgomery, deren inbrünstiges Solo („There Is No Failure“) nebst furioser Tanzeinlage kurz vor der Pause einen Höhepunkt setzt. „None Of Us Are Free“ singt Queen Esther Marrow danach, während Bilder von Obdachlosen und Trauernden, von Gandhi und Martin Luther King Revue passieren. Politische Bekenntnisse und soziales Handeln sind selbstverständlich für die 71-Jährige, die mit Harry Belafonte, Ray Charles und Chick Corea konzertierte und Gospel-Legende Mahalia Jackson verehrt. Die im jazzig-bluesigen Duett mit Saxophonist Marquis Sayles mühelos scattet und phrasiert, was spontan von den Sitzen reißt. Selbst als deutscher Kampfklatscher spürt man dann den göttlichen Funken des Groove...

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