Schnösel schmachtet charmant

Frankfurt - Max Raabe hat für jeden ein freundliches Wort. Auch für jenes Paar, das seine Plätze in der ersten Reihe eine halbe Stunde nach Beginn einnimmt: „Guten Abend! Wahrscheinlich aus dem Taunus?" Von Markus Terharn

Verpasst haben die Schneegeschädigten beim ersten der zwei ausverkauften Raabe-Auftritte im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt zwar acht Stücke. Doch die 24, die der Sänger und sein kongeniales zwölfköpfiges Palast-Orchester folgen lassen, dürften sie getröstet haben.

Von 30ern in die Gegenwart

Mit kultivierter Schnöseligkeit wandelt der Bariton zwischen frühen 30er Jahren und Gegenwart. Da sind zum einen Schlager aus der Feder eines Robert Gilbert, Werner Richard Heymann oder Erwin Bootz, wie sie etwa die Comedian Harmonists interpretiert haben. Zum anderen nachempfundene Neuschöpfungen, die er mit Annette Humpe kreiert hat.

„Schaut niemand zu, bin ich grandios“, behauptet Raabe kokett. „Küssen tut Susi nicht“, belehrt er im Tango-Takt. Und wenn sich in „Schöne Isabella von Kastilien“ seine schmachtende Kantilene mit dem feurigen Pasodoble-Rhythmus im Bigbandsound mischt, ist die ursprünglich fünfstimmige Gesangsnummer mit Klavierbegleitung kaum wiederzuerkennen.

Auch zu überraschen vermag der Wahlberliner. Etwa mit Einlagen in Fremdsprachen wie Italienisch, Spanisch oder Englisch; so dem erotisch gehauchten Film-Hit „Speak Low When You Speak Love“. Und wenn er schon bei Kurt Weill ist, darf es auch der Mackie-Messer-Song sein; so sanft, wie ihn vermutlich noch niemand gehört hat.

Unterkühlte Moderationen

Ein nicht geringer Teil des Gesamtvergnügens sind die unterkühlten Moderationen, die Lebensweisheiten aller Art transportieren. „Frauen wollen immer tanzen, Männer einfach nur mal sitzen“, weiß Raabe, um mit Oscar Hammerstein und Jerome Kern zu unterstreichen: „I Wont’t Dance!“ Und er erteilt eine Lehrstunde in Sachen Diplomatie im Alltag: „Kleine Lügen tun nicht weh.“

In Gehör und Gedächtnis bohren sich Kabinettstücke wie das von vier Herren zart intonierte „Guter Mond, du gehst so stille“. Oder das melodische „Somewhere Over The Rainbow“ auf Wassergläsern, „an der Hausbar“, wie Raabe kalauert. Nach zwei Zugaben kommt der walzerselige Rausschmeißer „Dort tanzt Lulu“, mit Handglocken schelmisch ausgeläutet, spät und doch viel zu früh.

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