Die Rabauken sind los

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Musikliebhaber von morgen: Das „Pegasus“-Programm richtet sich an Kinder vom Krabbel- bis zum Vorschulalter.

Frankfurt - Nach und nach treffen die Kindergartengruppen in der Alten Oper ein. Sie kommen durch den Seiteneingang ins Foyer. So früh am Morgen ist der Haupteingang noch verschlossen. Aus allen Stadtteilen Frankfurts sind sie mit ihren Erziehern angereist. Von Anke Steinfadt

Die Garderobieren verstauen Jacken und Rucksäcke gruppenweise in riesigen Tüten mit den Namen der Kindergärten. „Damit am Ende nichts liegen bleibt“, sagt Tobias Henn. Der neue Leiter der „Pegasus“-Reihe kennt sich aus bis in die Details.

Zuvor hat er am Salzburger Mozarteum erfolgreich ein Musikvermittlungskonzept etabliert. In Frankfurt hat er nun das bestehende Kinder- und Jugendprogramm durch Angebote für die Jüngsten erweitert: die „Entdecker“ von 0 bis 3 Jahre und die „Rabauken“ von 3 bis 6 Jahre. Premiere haben letztere. Für Henn und die Musikvermittlerin Verena Kreutz ein spannender Moment. Wird das Konzept aufgehen?.

Auftritt unter dem Motto „Piraten ahoi!“

Rund 150 Kinder und 30 Erwachsene sind im Albert-Mangelsdorff-Foyer im fünften Stock versammelt. Die Kleinen sitzen auf dem Boden. Für die Großen gibt es Stühle. Alle sind in freudiger Erwartung des Auftritts unter dem Motto „Piraten ahoi!“. Zwischen Trommeln, Cajón und zwei großen Xylophonen steht ein Beiboot. Im Hintergrund ist ein Fischernetz aufgespannt. Und natürlich dürfen schwarze Seeräuberflaggen nicht fehlen. Einige Kinder sind als Piraten verkleidet oder haben zumindest einen Säbel mitgebracht. Eine Gruppe hat Kapitänshüte aus Karton gebastelt. Entsprechende Anleitungen, sowie die Noten für das Eröffnungslied gingen den teilnehmenden Kindergärten zwei Wochen vor der Veranstaltung zu. Wer Lust und Zeit hatte, konnte sich vorbereiten.

Freie Fahrt voraus! Vier Protagonisten kommen an Deck: Studenten der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die den Musikteil in Eigenregie vorbereitet haben. Sie tragen Kopftücher. Einer hat eine Augenklappe. Durch synchrones Klatschen und Klopfen auf verschiedene Körperregionen sowie das Erzeugen einfacher Geräusche entsteht ein ebenso rhythmisches wie überraschendes Begrüßungsstück. Nach dem gelungenen Auftakt erzählt Moderatorin Kreutz, selbsternannte „Piratenbraut“ mit Totenkopftuch um die Hüfte, Seefahreranekdoten und nimmt die Zuschauer mit auf Fantasiereise.

Die Kinder imitieren Wellenbewegungen

Ihre „Mannschaft“ hat sichtlich Spaß: Mitklatschen, mitsingen, um die eigene Achse kreiseln. Die Kinder imitieren mit vollem Körpereinsatz Wellenbewegungen. Und Verena Kreutz sagt: „In der Musik klingt das so“, bevor eine fröhlich-wogende Komposition den Raum zum Schwingen bringt. Die Melodie wiederholt sich mehrmals. „Schiff ahoi!“, rufen die Musiker nachdem der letzte Ton verklungen ist. „Schiff ahoi!“, erwidern die Kinder. Jetzt sind sie wieder an Bord.

„Bei Kindern dieser Alterstufe lässt die Bereitschaft einem Musikstück konzentriert zu lauschen sehr schnell nach“, weiß Tobias Henn, selbst Vater einer fünfjährigen Tochter. Die Mischung aus Zuhören und Mitmachen muss ausgewogen sein, um das junge Publikum bei der Stange zu halten. Eine Rhythmuseinlage mit Kochlöffeln, Töpfen und Deckeln findet volle Aufmerksamkeit, ebenso der Piratentanz, bei dem kräftig mit dem Fuß aufgestampft werden darf. Darauf folgt wieder eine längere Komposition. Anspruch und Spiel, von jedem etwas.

Lauschen, Fühlen, Spüren

„Wir lauschen und fühlen und spüren Musik“ heißt es in dem eigens für die Reihe komponierten „Rabauken & Trompeten-Lied“. Und so ist es. Die Kinder sind mit allen Sinnen dabei. Die nächsten Vorstellungen heißen „Blechforscher unterwegs!“, „Hexe Lilly außer Rand und Band“ und „Ritter, Reigen, Kettenrasseln“. Sie sind ähnlich konzipiert, dauern jeweils 50 Minuten. Jedes Programm wird zweimal vormittags für Kindergartengruppen und zweimal am Wochenende für Familien aufgeführt. Die 36 Veranstaltungen beider Reihen sind bereits ausverkauft. Für weitere Konzerte aus dem „Pegasus“-Programm in verschiedenen Altersgruppen von 3 bis 21 Jahren sind noch Karten erhältlich.

Und die Piraten? „Zur See fahren ist toll, nur das Schiffe ausrauben gefällt mir nicht“, sagt Kapitänin Verena Kreutz, die zuvor bereit pädagogisch wertvolle Botschaften wie „Gemeinsam sind wir stark“ in die Geschichte einstreute. Zu meditativen Klängen wird überlegt, wie man auf legalem Weg zu Geld kommen könnte. Die Lösung ist schnell gefunden. Sogleich begibt sich die Mannschaft aus Musikern, Kindern und Erziehern auf friedliche Schatzsuche.

- Mehr Informationen zu „Pegasus – Musik erleben!“ gibt es im Internet unter www.alteoper.de.

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