Rätsel der schönsten Mumie gelöst

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Wie ein kleines schlafendes Mädchen liegt Rosalia Lombardo im Glassarg der unterirdischen Kapuzinergruft im süditalienischen Palermo.

Palermo - Auch heute sieht Rosalia Lombardo noch aus wie ein schlafendes kleines Mädchen. Und doch ist die Italienerin seit rund 90 Jahren tot.

Das Mädchen im Glassarg in der unterirdischen Kapuzinergruft im süditalienischen Palermo starb Anfang des letzten Jahrhunderts an der berüchtigten Spanischen Grippe. Heute gilt sie vielen als „schönste Mumie der Welt“. Dass sich der Zauber ihres kindlichen Antlitzes so erhalten konnte, ist zwei Menschen zu verdanken: Rosalias Vater und dem Einbalsamierer Alfredo Salafia.

Als seine Tochter 1920 der Seuche erlag, wollte ihr Vater, General Mario Lombardo, sich nicht mit seinem Schicksal abfinden. Das Kind niemals wiedersehen zu dürfen, erschien ihm undenkbar. In seiner Verzweiflung wandte er sich an einen Freund der Familie, den damals bereits über Sizilien hinaus berühmten Einbalsamierer Alfredo Salafia. Dieser vollbrachte nicht nur das Wunder „der schönsten Mumie der Welt“, sondern überzeugte auch die Kapuzinermönche von Palermo, das Mädchen in ihrer Gruft unterzubringen zu einem Zeitpunkt, als dies eigentlich bereits nicht mehr möglich war. 13 Jahre später nahm er jedoch das Geheimnis der perfekten Mumie mit ins Grab. 75 Jahre nach seinem Tod gelang es nun einem Antropologen aus Palermo, das Rätsel zu lösen.

Dario Piombino Mascali von der Universität Palermo, heute beschäftigt beim Forschungszentrum Südtirol EURAC, fand im Nachlass Salafias ein Manuskript, in dem der Mumien-Meister sein Geheimnis verrät. „Ich habe seit 1999 nach der Lösung des Geheimnisses von Rosalia geforscht“, erklärt Mascali. Insofern sei die Entdeckung des Manuskripts „New special method for the preservation of the entire human cadaver in the state of permanent freshness“ zunächst ein persönlich-emotionaler Erfolg gewesen. Die Bedeutung der Enträtselung der Techniken Salafias gehe aber weit darüber hinaus.

Wichtigste Mumie des 20. Jahrhunderts

Es ist eine historisch-medizinische Entdeckung von enormer Bedeutung“, sagte der Forscher. „Die von Salafia zur Einbalsamierung gebrauchte Lösung ist eines der ersten Beispiele für den Gebrauch von Formaldehyd zu diesem Zweck.“ Dieses sei noch heute die Basislösung bei der menschlichen Einbalsamierung. So habe Salafia eine mit Zinksulfat und Chloriden angereicherte Mixtur aus Glyzerin und Formalin sowie Alkohollösung mit Salicylsäure in Rosalias Adern gespritzt. „Um das Blut gegen die Konservierungsflüssigkeit auszutauschen hat er eine Kanüle in eine Arterie des Oberschenkels gesetzt, dann den Behälter mit der Mixtur über Rosalias Körper gehängt“, so der Forscher. Die Schwerkraft habe ein Übriges getan, wobei das Blut über einen Venenschnitt abgelassen wurde.

Zuvor war nur bekannt, dass Salafia das Blut gegen eine andere Flüssigkeit austauschte. Jetzt wissen wir, dass er ein Vorreiter der modernen Balsamierung war“, sagte der Forscher begeistert. „Zudem war der erste, der auf den ästhetischen Aspekt geachtet hat und auf die für die Einbalsamierer schädlichen Gifte Arsen und Quecksilber verzichtete“, so Piombino. Und Albert Zink, Verantwortlicher des Mumieninstituts des EURAC, habe mit speziellen Röntgenaufnahmen festgestellt, dass durch das Zinksulfat auch alle inneren Organe erhalten worden sind. „Damit ist Rosalia sicherlich eine der wichtigsten Mumien des 20. Jahrhunderts.“

dpa

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