Rätselhafter Nachlass

Die Viola da gamba war zur Zeit Bachs bereits veraltet. Dennoch komponierte er Sonaten für Gambe und Cembalo. Viel ist darüber gerätselt worden. Teils wird vermutet, dass sie Bachs Schüler Carl Friedrich Abel gewidmet waren, dem letzten Virtuosen auf diesem Instrument. Unbekannt ist auch, warum statt des üblichen sechsteiligen Werkzyklus nur drei Sonaten überliefert sind. Eva Schumann

Bei den Frankfurter Bachkonzerten präsentierten Hille Perl und Christine Schornsheim zwei dieser anspruchsvollen Stücke im Wechsel mit drei Orgel-Triosonaten aus dem Zyklus BWV 525-30. Gelegentlich hatte das Publikum den heute seltenen Eindruck, dass sogar eine hervorragende Solistin die technischen Anforderungen nicht mühelos bewältigte. Die Es-Dur-Sonate BWV 525 geriet zum Einspielstück, in dem es an manchen Stellen wackelte. Intonationsschwächen mögen der für das Saiteninstrument ungünstigen Tonart zuzuschreiben sein, obwohl sie auch später in hohen Lagen zu hören waren.

Die Gambensonaten D-Dur und g-Moll gelangen wirkungsvoller und klangschöner. Insgesamt beeindruckte die Virtuosität Hille Perls mit durchdachter Phrasierung und galanter Verzierungstechnik. Die Künstlerin bezauberte durch ausdrucksvolle Gestaltung, besonders der langsamen Sätze, Expressivität gönnte sie lebhaften Passagen. Schlechthin vollkommen war das Zusammenspiel der empfindsamen Gambistin und der mit unerschütterlicher Geläufigkeit, aber ebenfalls sensibel gestaltenden, stets alerten Cembalistin. Zeitweise schien die Gambe klanglich im Nachteil. Doch Christine Schornsheim variierte immer wieder Register und Farben, wodurch der warme Klang der Viole besser zur Geltung kam. Nach der arpeggienreichen, virtuosen G-Dur-Sonate BWV 530 beschloss die konzertante g-Moll-Sonate das Programm. Die Künstlerinnen ließen sich jedoch noch zur Zugabe der C-Dur-Orgeltriosonate BWV 529 bewegen.

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