Der Offenbacher Junge im Gespräch

Rapper JAM im Interview

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Der Rapper JAM nennt sich gerne ein Offenbacher Junge und ist eine lokale Hip-Hop-Größe. Nicht nur die Kickers-Hymmne „Rot und Weiss“ kommt aus seiner Feder, sondern auch seine neue EP „Unten“. Im Interview spricht JAM über Musik, Offenbach und sein neues Label.

Was verbindest Du mit der Stadt Offenbach?

Offenbach ist meine Heimat. Hier bin ich 1984 geboren und aufgewachsen. Die Stadt hat mich geprägt. Hier hab ich alles durchgemacht: Gute Zeiten, schlechte Zeiten, geweint und gelacht. Jeder der hier wohnt oder auch gewesen ist, weiß ganz genau wie es in Offenbach abläuft. Entweder gehst du mit unter, oder bleibst stark und schwimmst mit in dem Strom. Das macht die Region aus. Offenbach und Frankfurt sind ja nicht nur geografisch nebeneinander, sondern auch musikalisch. Wir sprechen die gleiche Sprache. Offenbach ist für mich Heimat, Musik, Liebe, mein Herz.

Einer Deiner Titel heißt „Meine Stadt schläft nie“. Was meinst Du damit genau? 

Das ist ein ganz alter Song von mir. Den müsste jeder Offenbacher kennen. Der Track ist eine Hommage, eine Liebeserklärung an meine Stadt. Er erzählt, was hier in Offenbach alles so passiert. Hier ist immer was los: Egal ob am Tag oder in der Nacht. Das wollte ich rüberbringen. 

Wann hast Du mit dem Rappen angefangen? Wie war Dein erster Kontakt mit Hip-Hop? 

Das Rappen angefangen, habe ich mit 12, 13 Jahren. Und zwar in der Zeit, wo es kein Youtube und kein Internet gab. Wo man sich nicht die Beats einfach irgendwo runterladen konnte. Wir haben immer auf dem Spielplatz gesessen mit fünf, sechs Jungs. Einer hat mit dem Mund eine Beatbox gemacht, wir haben dazu gerappt. Einfach einen Ast vom Baum gebrochen, vor den Mund gehalten und so getan, als ob der ein Mikrofon wäre. Ich habe erst mal zwei, drei Jahre ohne Beats, ohne irgendwas gerappt. Später dann im JUZ (Jugendzentrum, Anmerkung der Redaktion) in Waldhof habe ich dann mit einer Groovebox rumexperimentiert und meine eigenen Beats kreiert. Dort gab es auch Workshops. So waren meine ersten Erfahrungen mit Hip-Hop. Im JUZ habe ich meine Liebe zu Hip-Hop und zur Musik vertieft. Natürlich alles selbstgemacht. Ich habe mir auch CDs der Stars von Naz bis Wu-Tang-Clan gekauft, sie bewundert und auf deren Instrumental-Tracks gerappt. So hat sich langsam alles entwickelt. Schritt für Schritt. Irgendwann war ich in der Community drin und man hat immer neue Leute kennengelernt, mit denen man sich dann ausgetauscht und Musik gemacht hat. 

Dein bisher erfolgreichster Song ist „Hip-Hop“ von der Internetplattform „Aggro.tv“. Ist ähnliches auch von Deinem neuen Album „16zu9“ zu erwarten, was bald erscheinen wird? 

„Aggro.tv“ hat natürlich eine große Reichweite. Da habe ich über 190.000 Klicks bekommen. Das war eine schöne Sache. Der Song hat schon gut auf das Album hingewiesen. Das Album wird aber noch mehr Power haben: Echter Hip-Hop. Mein Album „16zu9“ wird im April erscheinen. Im Moment kann man sich vorab kostenlos meine EP „Unten“ herunterladen. Viele bekannte Produzenten waren mit dabei: Brenk, FidMilla, Brian Uzna und Severin Beats. Einfach guter, ehrlicher Hip-Hop.  

Warum der Titel „Unten“? 

Unten sagt vieles aus. Erstens: Ich, mein Umfeld und meine Jungs hier in Offenbach sind einfach Leute von unten. Das hört sich zwar immer blöd an, ist aber so. Wir haben nicht viel Geld oder ein „schönes Leben“. Wir sind „Hustler“ und kämpfen uns durch, gucken wo wir bleiben. Und zweitens: Hip-Hop kommt für mich von unten. Das ist für mich eine Sprache von den Menschen von unten, die was zu sagen haben und denen es nicht gut geht. Das war für mich immer der Bezug zur Musik. Wenn es mir nicht gut ging: Reine Therapie. Ich mach Musik, um was loszuwerden von meiner Seele. Das kommt alles von unten. Und man darf nie vergessen wo man herkommt. Auch wenn es vielleicht mal nach oben geht, sollte man nie vergessen man war auch mal unten. Unten fängt alles an. Unten sagt eigentlich alles aus, was ich über Hip-Hop oder das Leben denke. 

Dein Album „16zu9“ wird auf Deinem Label „Das Regime“ erscheinen. Wie kam es dazu? 

„Das Regime“ ist unser neues Label, was ich mit zwei guten Freunden gegründet hab, um eine Plattform für unsere Musik zu haben. Wir probieren einen neuen Weg aus. Wir wollten eigenständig sein. Alleine dastehen. Da musste dieser Schritt getan werden. Ich mache schon so lange Musik, aber immer im Untergrund, ohne Struktur im Rücken. Es war an der Zeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Daher war die Gründung des Labels ein logischer Schritt, eine eigene Plattform zu haben. Wir stellen uns gerade auf. Wir öffnen die Tür und probieren, gute Musik zu präsentieren und zu machen. Der Rest ist Schicksal und liegt nicht in unserer Hand.

Das Video zum Interview

Wenn Du Bürgermeister Horst Schneider ablösen könntest, was würdest Du in Offenbach besser machen? 

Gute Frage. Ich würde erst mal Hartz 4 auf 2000 Euro erhöhen, so dass alle gut leben können. Und ich würde Coffeeshops in Offenbach eröffnen. Das wäre mir sehr wichtig. Und vor allem Kinder und Jugendliche unterstützen: Gute Jugendzentren, Sportplätze, Kultur und Musik fördern. Hier ist ein großer Kreis von Menschen. In Offenbach geht schon einiges. Offenbach hat viele Talente.

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