Leopold-Jansa-Duo mit Kammermusik „Senza Piano“ in Sparkasse Offenbach

Raritäten aus dem Hause André

Es geht auch ohne Klavier. Zwei Saiteninstrumente können überraschende Klangfülle herbeizaubern, wie das Leopold-Jansa-Duo bewies. „Senza Piano“ heißt die Konzertreihe des Offenbacher Kulturamts im Saal der Sparkasse. Ungewöhnlich auch das Ambiente: Die Ankündigung „Wohlklang mit Panoramablick“ war nicht übertrieben!

Geigerin Christine Rox und Cellist Klaus-Dieter Brandt hatten in Archiven gestöbert. Grundstein des Duos, das sich nach dem böhmischen Geiger Leopold Jansa nennt, war die Entdeckung der Duetti von Heinrich Anton Hoffmann, Mainzer Geigenvirtuose und Beethovenzeitgenosse. Er wirkte in Frankfurt am Theater und als städtischer Musikdirektor. Seine Kompositionen gab der Offenbacher Verleger André heraus; Grund genug, diese selten aufgeführten Werke am Ort angemessen zu würdigen.

Zwei dreisätzige Duetti erwiesen sich als anspruchsvoll für die gleichberechtigten Instrumente. Neben Brillanz und Sanglichkeit gab es Ausflüge in interessante Harmonik und Klangfarben, das zweite Duetto bot witzige Effekte. Das Duo brachte diese Reize liebevoll, stilsicher und höchst virtuos zur Wirkung.

Begonnen hatten die Musiker mit dem Contrapunctus 13 aus Bachs „Kunst der Fuge“. Ihre lebendige Darbietung verriet Schulung in historischer Aufführungspraxis mit Ensembles wie Musica Antiqua. Von Rudolf Moser spielte das Duo die Sonate op. 34,2 (1925). Ausgefeilte Kontrapunktik zeigt den Reger-Schüler, doch wirken freie Tonalität, lebhafte Motorik und Einfallsreichtum ganz modern. Die Partner beeindruckten mit Intensität und Klangschönheit, spannender Gestaltung und untadeligem Duettieren.

Das Programm schloss mit einer fulminanten Interpretation von Kodálys Duo op. 7 – 1914 entstanden, erstaunlich modern. Der Ungar, der auch Volkslieder seiner Heimat sammelte, lässt Anklänge an Folklore einfließen. Doch das Stück ist eher herb, als dass es Erwartungen an ungarisches Flair erfüllte.

Der starke Beifall lockte eine weitere Rarität hervor, ein Werk des Barockkomponisten Christian Ernst Graaf. EVA SCHUMANN

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