Reiche Klang-Effekte in früher Händel-Oper

Geisenheim - Zu Händels Zeit wirkte bei den Aufführungen seiner Oper „Rinaldo“ ein Schwarm Spatzen mit. Geflügelte Akteure ließ die Lauttencompagney Berlin in der Basilika von Kloster Eberbach nicht auftreten. Von Eva Schumann

Doch Händels Musik und die Zwitschertöne von Schlagzeuger Peter Bauer waren lautmalerisch genug -- die „Augelletti“, die Rinaldos Verlobte Almirena besang, konnte man förmlich im Chor herumflattern sehen. Der 1711 entstandenen, ersten Londoner Oper Händels fehlt es auch sonst nicht an Effekten. Das Libretto, inspiriert von Tassos Kreuzfahrer-Epos „La Gerusalemme liberata“, bietet eine Fülle von Motiven: Kriegerisches Gebaren, Aufmärsche, Sieg und Versöhnung, Entführung und Verzweiflung, Liebe und Enttäuschung, Zauberei und Folklore.

Mit Pauken und Trompeten kommt König Argante im Triumphwagen aus dem belagerten Jerusalem daher. In punktierten Rhythmen lachen Furien den trauernden Rinaldo aus, nachdem die Hexe ihm die Verlobte entführt hat. Sanfte Siciliano-Klänge beschwören eine Meeresszene, wenn Rinaldo aufbricht, Almirena zu retten.

Die von ihrem Gründer Wolfgang Katschner geleitete, auf historischen Instrumenten spielende Lauttencompagney wusste die Klangeffekte so genüsslich zu servieren, dass man ein Bühnenbild nicht vermisste. Vom Flageolett (Martin Ripper) zur Oboe (Eduard Wesly), von Violoncello (Ulrike Becker) und Violine (Konzertmeisterin Anne von Hoff) bis zum Cembalo (Mark Nordstrand) war virtuose Kunst zu bewundern, zumal Katschner zügige Tempi vorlegte. Das Ensemble musizierte mit Temperament und Leichtigkeit, fein differenziertem Ausdruck und flexibel im Klangfarbenwechsel.

Den Genuss vervollkommnete ein vorzügliches junges Sängerensemble. Da sich die Aufführung an der ersten Opernfassung von 1711 orientierte, in der Händel neben einem weiblichen Alt drei Altkastraten einsetzte, traten drei Countertenöre auf. Jean-Michel Fumas als Heerführer Goffredo war technisch versiert, wirkte jedoch etwas angestrengt und schmalbrüstig. Besser gefiel die runde, kraftvolle Stimme von Yosemeh Adjei als Goffredos Bruder Eustazio, der Bravos erhielt.

Zu Herzen ging auch der lyrische Altus von Valer Barna-Sabadus als Rinaldo, weniger als Krieger denn als schmachtender Liebhaber angelegt. Sowohl das wunderschön instrumental gesungene Lamento „Cara sposa“, als auch die rasante Arie „Venti, turbini“ lösten Beifall aus. Die liebliche Almirena gestaltete mit hellem, leichtfüßigem Mezzosopran Olivia Vermeulen. Betörend der kunstvoll ausgezierte Hit „Lascia, ch´io panga“ und das Duett mit Rinaldo. Den Zauberer Mago sang deutlich artikulierend der Bass Florian Götz; hier folgte man der überarbeiteten Fassung von 1731.

Den zwischen Bosheit und Zärtlichkeit schwankenden Charakter des Königs Argante gestaltete ausdrucksvoll und mit flexiblem Bariton Tobias Berndt. Tollkühne Koloratur-Akrobatik in gestochener Schärfe beherrschte vor allem Tiffany Speight - eine mitreißende Armida mit müheloser Höhe, großem Atem und quicklebendigem Spiel.

Rubriklistenbild: © Claudia Hautumm/pixelio.de

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