Reizvolles Heimspiel

Rödermark - Für Jürgen Franz war das Konzert in der Stadtbücherei Rödermark ein Heimspiel. Denn der Flötist im Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks ist in Ober-Roden aufgewachsen. Von Axel Zibulski

Unter der recht weiten Klammer eines „Europäischen Rezitals“ führte er mit dem Pianisten Henning Lucius im Rothaha-Saal Raritäten für sein Instrument auf.

So eröffnete die Sonatine für Flöte und Klavier von Walter Gieseking das fünfte Saisonkonzert der Musikgemeinde. Von Maurice Ravels Klarheit, von Claude Debussys Farbigkeit wirkt das helle, leichte, auch verspielte Werk des lange in Wiesbaden lebenden, 1956 in London gestorbenen Gieseking geprägt: So flüchtig wie flüssig ließen Franz und Lucius die Sonatine klingen.

Den großen, expressiven Ton, das formal Weiträumige schlossen sie mit der Violinsonate h-Moll Ottorino Respighis unmittelbar an: Jürgen Franz hat die 1917 entstandene Sonate selbst für Flöte und Klavier bearbeitet und diese Fassung mit Henning Lucius erst selten öffentlich gespielt.

Unter Flötisten hat Carl Reineckes „Undine“-Sonate e-Moll Klassiker-Status. Das romantische, an tönenden Ausschmückungen des mythologischen Wassergeist-Sujets reiche und manchmal ein wenig ausschweifende Stück hatte bei Franz viel Leichtigkeit und Charme. Sein Spiel, durchweg exakt, von reichen Tonfärbungen ebenso geprägt wie von gestischen Phrasierungen, überzeugte unmittelbar. Besonders reizvoll gelang das kleine Intermezzo des zweiten Satzes – getupft, pointiert und doch verführerisch-geschmeidig artikuliert.

Nach den fast skizzen-haften Stimmungsbildern der Sonatine von Alexandre Tansman zeigte Franz in Paul Taffanels Flöten-Fantasie über Themen aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“, wie vorzüglich er Virtuosität mit Geschmack und Niveau verbindet. Viel Beifall, drei Zugaben.

Rubriklistenbild: © Gabriele Schönemann/pixelio.de

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