Reverenz an Bratscher Hindemith

Frankfurt - Die Bratsche als etwas behäbiges Instrument im Schatten der Geige? Das würde Tabea Zimmermann nie gelten lassen. Von Axel Zibulski

Schließlich hat sich die 1966 geborene Künstlerin stets für ihr Instrument stark gemacht, zum Beispiel mit Uraufführungen von Heinz Holliger und György Ligeti – oder, bis 2002, als Professorin an der Frankfurter Musikhochschule.

So erwies Tabea Zimmermann bei ihrem Konzert im Mozartsaal der Alten Oper einem Komponisten ihre Reverenz, der selbst als Bratscher gewirkt hat: Paul Hindemiths 1939 vollendete Sonate für Viola und Klavier war der technisch anspruchsvollste, allerdings auch der sprödeste Teil des Kammermusik-Abends, den Zimmermann mit ihrem Klavierpartner Kirill Gerstein gab – als „Holzhausenkonzert in der Alten Oper Frankfurt“, einer neuen Kammermusik-Reihe des Konzerthauses. Hindemith Sonate mit ihren sperrigen Themen entfaltete bei der Bratschistin den Sog der Perfektion, im „sehr lebhaften“, rastlos voranpreschenden zweiten, sogar in der nicht übermäßig originellen „Phantasie“ des dritten Satzes.

Mit Robert Schumanns „Märchenbildern“ für Viola und Klavier stellten Zimmermann und Gerstein ein weiteres Originalwerk für diese Besetzung vor: Den Ton auch ohne üppiges Vibrato warm, dabei leicht abdunkelt und sonor zu halten gelang Zimmermann vorzüglich. Diese Stärke ihres Instruments hatte sie eingangs, in der Bearbeitung von Franz Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier a-Moll D 821, trotz kleinerer Intonations-Trübungen ebenso suggestiv entfaltet.

Die salonhafte Belanglosigkeit von Franz Liszts Liedbearbeitung der „Romance obliée“ leitete in der zweiten Programmhälfte über zur Sonate für Viola und Klavier f-Moll op. 120/1 von Johannes Brahms, einer vom Komponisten autorisierten Alternativ-Fassung seiner ersten Klarinettensonate. Den akkordisch dichten Klaviersatz spielte Pianist Gerstein mit der unaufdringlichen Präzision eines dezenten Kammermusikers, Zimmermann verlieh diesem Spätwerk treffend den Charakter des Melancholischen, Abgeklärten, in den Ländler-Anklängen des dritten Satzes auch Verträumten. Viel Melos, viel musikalische Durchdringung und Genauigkeit, ein opulentes Programm: Nur zu gut verständlich, dass die beiden Künstler nach ihrem großen Abend keine Zugabe mehr folgen ließen.

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