Rheingau Musik Festival

Auf Du und Du mit Beethoven

Wiesbaden - Die immer etwas zwiespältige Personalunion von Pianist und Dirigent hat einer voll im Griff. Bei Christian Zacharias kommt weder der Solistenpart zu kurz, noch kann sich das Orchestre de Chambre de Lausanne über mangelnde Zuwendung beklagen. Von Klaus Ackermann

Mit einem reinen Beethoven-Abend gingen die Schweizer und ihr deutscher Chef beim Rheingau Musik Festival im Wiesbadener Thiersch-Saal auf Erfolgskurs.

Das Tänzerische zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Da steht Beethovens Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ an vorderster Stelle. Zacharias, als Dirigent von Anbeginn körperliche Spannkraft bezeugend, vermittelt die Streicher-Intro in aller Klangruhe, etabliert wohlgestalteten Bläserklang, um dann im Allegro förmlich abzuheben.

Ein knapper Themen-Anriss am Klavier – schon widmet sich Zacharias wieder „seinem“ Orchester, das so typischen treibenden Achtelbewegungen in einen dauerhaften Dialog einbringt. Dabei wirft der Solist sein enormes Anschlagspotential in die Waage. Butterweich die in sich ruhende Kantilene im expressiv gespielten Andante, von einem hart angerissenen Streicher-Unisono attackiert, das allmählich an Kraft verliert - gesteuert vom Mann an den Tasten, der den Weg zum marschmäßigen Rondo-Thema bereitet. Und der nach hinreißend gespielten rasanten Passagen sanft, aber bestimmt die „Gespräche“ in einer virtuos ergiebigen Kadenz beschließt.

Eine „Apotheose des Tanzes“ hat Richard Wagner die Sinfonie Nr. 7 in A-Dur genannt. Tatsächlich wird der Rhythmus zum elementaren Ereignis. Sinfonische Daseinsfreude, die sich instrumental mal federleicht, mal druckvoll artikuliert. Die im eigentümlich zwischen Moll und Dur schwebenden Allegretto-Lied sich zu beruhigen scheint, um im flinken Scherzo mit einem von den Bläsern betont breit angelegtem Trio tief Luft zu holen. Vor den gnadenlos schnellen Punktierungen des Finales, von den Schweizern hart artikuliert, die immer noch Energie für Mozarts „Figaro“-Ouvertüre haben, auch rhythmisch mit Schmackes. Weich dagegen wird der Schlussstrich gezogen – mit einem weiteren Satz des Prometheus-Balletts.

Rubriklistenbild: © dpa

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