Turnstunde im Minirock

Robyn tanzt im Capitol auf Plateaustiefeln

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Agil wie eine Aufziehpuppe: Die schwedische Sängerin Robyn ist ein Energiebündel.

Offenbach - „Fembot“ bezeichnet einen weiblichen Androiden – und ist Titel eines aktuellen Stücks der schwedischen Popdiva Robyn. Mit diesem Etikett ist die Sängerin selbst passend charakterisiert. Die platinblonden Haare sträuben sich wie Kunstfasern in die Höhe. Von Anke Steinfadt

Die Bewegungen sind roboterhaft, manchmal erinnern sie an eine Aufziehpuppe. Ihre Stimme wird häufig verfremdet. In einem seltsam abstehenden Minirock und mit eng anliegendem Oberteil vollführt sie im Offenbacher Capitol auf Plateau-Wanderstiefeln wildeste Tänze. Für Normaltrainierte wäre nach 15 Minuten vermutlich die Erschöpfungsgrenze erreicht. Manchmal erinnert es an die durchgedrehten Jedward-Zwillinge. Das Publikum ist mit in Bewegung.

Die Songs gehen ineinander über. Selten gibt es kurze Pausen, in denen die erstaunlich unerschöpft wirkende Blondine „Hello Frankfurt“ und knappe, quietschige Sätze ins jubelnde Publikum ruft. Die Band hinter ihr besteht aus zwei Keyboardern und zwei Schlagzeugern in sterilen weißen Montageanzügen. Über die Rückwand flackern, zwischen Windrädern, grafische Animationen. Die Bühne wird abwechselnd in sattes Rot und Blau getaucht. Stroboskop-Blitze befeuern kontinuierlich das Publikum. Robyn dominiert das irritierende Lichtgewitter mit erstaunlicher Hyperpräsenz.

Erste Platte mit 16 Jahren

Die erste Platte veröffentlichte Robyn mit 16 Jahren. Nach dem erfolgreichen Debüt verschwand sie in der Versenkung, bis sie sich 2005 mit dem Album „Robyn“ zurückmeldete, um Platz 1 der schwedischen Charts zu erobern. Mit der Trilogie „Bodytalk“ gelang ihr 2010 der endgültige Durchbruch.

Selbstbewusst präsentiert sich die 33-Jährige heute. Sie ist schon lange kein Geheimtipp mehr, aber weit entfernt davon ein Massenmagnet zu sein – wie etwa Madonna oder Lady Gaga. Die gern angestellten Vergleiche hinken. Die schwedische Elektropop-Prinzessin wird keine der beiden US-Queens vom Pop-Olymp stoßen. Und das scheint auch gar nicht ihre Absicht. Der treibende Dancepop Marke Robyn ist trotz aller Eingängigkeit eher Independent als Mainstream. Es ist Musik für Clubs und Diskotheken, nur bedingt fürs Radio geeignet.

Reggaelastige „Dancehall Queen“

Im adäquaten Rahmen – und einen solchen bot das Capitol par excellence – regiert Robyn ihr eigenes Universum. „Call Your Girlfriend“, „We Dance To The Beat“, „Indestructible“ gehen allesamt in die Beine. Und auch das reggaelastige „Dancehall Queen“ steht der Schwedin gut. Sie spielt überwiegend Aktuelles. Wie eine Aerobic-Stunde ist das Konzert nach 60 Minuten vorbei. Es gibt noch drei Zugaben, zuletzt „Show Me Love“ zur Abkühlung – und zur Erinnerung an die braven musikalischen Anfänge gleichermaßen.

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