„Rock meets Classic“ in Jahrhunderthalle

Geisterbahn und Mysterien

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US-Altrocker Alice Cooper

Frankfurt - Über allem der Fürst der Finsternis. Und die Schule ist mal wieder aus: Nightmare-Rocker Alice Cooper beglückt als Hauptattraktion die „Rock Meets Classic“-Karawane in der bestens besuchten Jahrhunderthalle. Ausnahmsweise ohne Guillotine und Zwangsjacke. Von Peter Müller 

Ganz ohne Kunstblut geht das umjubelte Crossover-Spektakel trotzdem nicht über die Bühne. Und ein wenig Geisterbahn-Atmo gibt es obendrein - denn neben zwei ergrauten Uriah-Heep-Helden spukt Rainbow-Sänger Joe Lynn Turner über die Rampe.

Midge Ure (60), der alte schottische Fahrensmann, in seiner Frühzeit bei Bands wie Thin Lizzy oder Visage zugange, bevor er 1979 das Mikro bei Ultravox übernahm, hatte zum Aufwärmen noch einmal die Hits der stilbildenden New-Wave-Ultras abgearbeitet: „Hymn“, „Vienna“ oder „Dancing With Tears In My Eyes“ sind immer noch schön stylische Ohrwürmer - und Ure kann’s an der E-Gitarre nach wie vor richtig gut.

Joe Lynn Turner (63), „bekannt als Legende“, wie Bassist Mat Sinner weiß, bleibt dagegen schon optisch ein Mysterium: Der kleine Mann sieht aus wie ein plastisch misslungener Mix aus Siegfried & Roy - singt dann aber doch noch halbwegs passabel Hits wie „I Surrender“ oder „Since You´ve Been Gone“. Dann Kim Wilde: ewig jung, platinbond, ein wenig aus dem Leim gegangen, dennoch tapfer in lederner Rockerbraut-Montur - und frenetisch gefeiert für „Cambodia“ oder die unkaputtbaren „Kids In America“.

Nostalgie spielt erste Geige

Nach Erholungspause und dem „Another Brick In The Wall“-Intermezzo von Mat Sinners Band, vom 50-köpfigen Bohemian Symphony Orchestra Prag unterstützt, wird es erklecklich gruftiger: Uriah-Heep-Ur-Leadgitarrist Mick Box (66) und der 1986 berufene Sänger Bernie Shaw (58), beide frisurentechnisch als lebende Hommage an Tolkien-Zauberer Gandalf angetreten, geben „Free Me“, ein episches „July Morning“ und die sehr wahrscheinlich teigigste Zwei-Akkorde-Rockballade aller Zeiten, „Lady In Black“, zum Besten. Im Saal hält es niemanden mehr auf dem Sitz.

Nostalgie spielt auch bei der fünften „Rock Meets Classic“-Session die erste Geige. Womit wir beim unverbesserlich sinistren Alice Cooper wären, der tatsächlich zum ersten Mal in seiner 45-jährigen Karriere mit einem klassischen Symphonie-Orchester auf der Bühne steht - aber sicherheitshalber seine blond gelockte Supergitarristin Orianthi mitgebracht hat. Er wirft zu „House Of Fire“ noch mal die XL-Flammenfontänen an, blutet mit einer Vampirtänzerin zu „Only Women Bleed“ einfach mal mit und gibt bis zum „School´s Out“-Rausschmeißer meisterhaft das, was Hollywood-Kauz Groucho Marx schon in den 1970-ern treffend umschrieben hat: „Alice ist die letzte Hoffnung für das Varieté.“ Großer Applaus.

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