Snow Patrol in der Jahrhunderthalle

Pop und Rock ohne Starpose

Was muss das für eine Genugtuung sein, wenn sich nach Jahren des Darbens der ersehnte Erfolg einstellt und die Popularitätskurve steigt! Snow Patrol gelang der Durchbruch 2003. Da war das schottisch-irische Sextett sechs Jahre relativ erfolglos durch die Clubs in Großbritannien getingelt und hatte gerade das dritte Album mit dem resignierenden Titel „Final Straw“ veröffentlicht.

Indes birgt die positive Wende in Sachen Karriere unkalkulierbare Gefahren fürs weitere strategische Überleben. Die scheinen bei Snow Patrol gekommen zu sein; werkelt Sänger und Gitarrist Gary Lightbody derzeit doch an gleich zwei verschiedenen Soloprojekten – mit abstrakten Klangspielereien bestückt das eine, mit Songs im Countrystil das andere, wie der schwarzhaarige Frontmann mit der Ausstrahlung eines Pädagogikstudenten vor dem Start der aktuellen Tournee verlauten ließ.

Solo-Ambitionen einzelner Mitglieder künden häufig vom Auseinanderleben einer jahrzehntelangen intensiven Kollaboration auf sprichwörtlich engstem Raum. Auf der Bühne der gut gefüllten Frankfurter Jahrhunderthalle machen Snow Patrol jedoch einen durchaus geschlossenen Eindruck, wenn sie schmissig das Gastspiel mit „If There’s A Rocket Tie Me To It“ eröffnen, ein zwischen eingängigem Pop und vertracktem Alternative Rock oszillierender Kracher, der prinzipiell als Blaupause für weitere Songs ähnlichen Kalibers dient.

Quasi ein extravagantes „Best Of“ der vergangenen drei Alben liefern Snow Patrol, mit Schwerpunkt auf dem aktuellen Werk „A Hundred Million Suns“. Und agieren derart zurückhaltend, dass einem in den Sinn kommen könnte, die Band trete für ein nachdrückliches Verbot von Rockstar-Posen ein. Einziges Zugeständnis an den gehobenen Standard einer typischen Bühnenproduktion ist die übergroße Projektionsfläche mit allerlei seltsamen, im Zeitraffer abgespulten Einspielern.

Einer der Gründe dafür, weitgehend auf das übliche Brimborium zu verzichten, dürfte wohl darin liegen, dass Snow Patrol ausschließlich – wie sie in Interviews nicht müde werden zu betonen – mit exzellenten bis exquisiten Kompositionen überzeugen möchten. Davon führt das Sextett mit Wohnsitz Glasgow, das sich auf seiner ersten CD noch The Polarbears nannte, jede Menge im Repertoire. Balladeskes wie „Chasing Cars“, „Run“ und „The Golden Floor“ wechselt mit famosen Stadionrock-Hymnen wie „Chocolate“, „Take Back The City“ und „Crack The Shutters“. Sie werden weitgehend textsicher skandiert von einem gemischtaltrigen Publikum, das die Band spätestens mit dem nächsten Album endgültig in den Rock-Olymp hieven dürfte ... FERDINAND RATHKE

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