Rock-Urgesteine am Rande von Zeit und Raum

Frankfurt - „Scream for me Frankfurt!“ Bruce Dickinsons Wunsch ist den Fans Befehl. An einem Samstag, an dem man nur einen Steinwurf entfernt bei Großdemos Spaß haben kann und die halbe Welt auf ein Fußballspiel starrt, ist die Festhalle proppenvoll. Logisch? Logisch!. Von Holger Borchard

Zum ersten Mal seit 2003 ist Iron Maiden wieder auf Hallentour in Deutschland unterwegs. Wurde die britische Metal-Kultband, immerhin seit mehr als 35 Jahren im Geschäft, vermisst? Sechs ausverkaufte Gigs in den großen Arenen von Berlin bis München sprechen für sich.

Frankfurts „Gut Stubb“ hat die Ehre, erste deutsche Andockstation der Raumbasis zu sein, die der „Final Frontier Tour“ den Rahmen gibt. Musikalisch am Rande von Zeit und Raum driftend, entert das Sextett nicht unerwartet zum Titelsong „Satellite 15… The Final Frontier“ die von zwei Wozu-auch-immer-Türmen flankierte Bühne.

So richtig zünden will der Opener freilich nicht, ebenso wenig das nachgeschobene „El Dorado“. Das liegt zum einen daran, dass die Stücke ihre Längen haben (sechs der zehn neuen Songs liegen an der Acht-Minuten-Grenze bzw. deutlich darüber). Zum anderen ist der gern mal grenzwertige Sound in der Festhalle anfangs schlicht unterirdisch.

Eiserne Jungfrauen in die Jahre gekommen

Zum Glück wird der Abend von Minute zu Minute besser: Song Nummer drei, „2 Minutes To Midnight“, bringt erstmals die komplette Halle in Wallung, und ab dem folgenden „Talisman“ ist vernünftiges Lauschlappen-Niveau gegeben. Nahaufnahmen der Heroen auf zwei Großbildschirmen über der Bühne offenbaren zwar unbarmherzig, dass auch Eiserne Jungfrauen in die Jahre kommen (allein an ihren hübsch-hässlichen Schweißbändern scheint die Zeit vom Band-Durchbruch 1982 mit „The Number Of The Beast“ bis heute spurlos vorbeigegangen zu sein), doch das Bühnenspektakel ist knackig wie eh und je.

Frontmann Dickinson, Fitness und Stimme in Person, gibt den ewig jungen Irrwisch und ignoriert seine mehr als 50 Lenze ebenso konsequent, wie er die ergrauten Schläfen bis zur Zugabe unter einer Wollmütze verbirgt.

Furioses Konzerts mit überzeugender Songauswahl

„Dance of Death“, „The Trooper“ mit wehendem Union Jack, „Blood Brothers“, „When The Wild Wind Blows“ und „Fear Of The Dark“ sind weitere Gänsehaut-Etappen, bis nach 90 Minuten erstmal Schluss ist. Ankreiden kann man der Band bis dahin allenfalls noch, dass sie Eddy viel zu spät loslässt. Erst nach etwa 75 Minuten erscheint das Kultmonster, das bei Alien und Predator (wohl auch bei älteren Covern à la „Somewhere in Time“) Anleihen genommen hat: zunächst als Mega-Gitarrero auf der Bühne, dann im Hintergrund als riesiger Torso. Der Hingucker des Abends, den man gern länger gesehen hätte.

Zeit zum Kritteln bleibt beim Zugabe-Dreier freilich nicht: „The Number Of The Beast“, „Hallowed Be Thy Name“ und „Runnig Free“ blasen zum Finale eines furiosen Konzerts mit überzeugender Songauswahl nochmal alles durch – und die Fans zufrieden auf den Heimweg.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare