Jukebox auf Reisen

Nickelback gastiert in der Frankfurter Festhalle

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Nickelback-Sänger Chad Kroeger betrat mit neuem Kurzhaarschnitt die Frankfurter Festhallen-Bühne.

Frankfurt - Ohne Ohrstöpsel wäre es schmerzhaft geworden. Nach einigem Herumfragen gab es sie an der Infotheke für einen Euro das Paar. Eine lohnende Anschaffung. Von Anke Steinfadt

Denn schon bei der Vorgruppe „Daughtry“, hierzulande durch eingängige Rockballaden wie „It’s Not Over“ und „Surprise“ gut bekannt, wurde mächtig aufgedreht. Nickelback legten dann unverständlicherweise sogar noch eine Schippe drauf. Beim Verlassen der Festhalle waren Kommentare wie „Ich bin jetzt halb taub“ von allen Seiten zu vernehmen.

Dabei hätte die Band um den 37-jährigen Frontmann Chad Kroeger diesen übertriebenen Lärm gar nicht nötig. Aufmerksamkeit gibt es auch so genug. Frankfurts Großkonzertarena war, wenn auch nicht auf den letzten Platz ausverkauft, so doch sehr gut gefüllt; und der Jubel groß als die Kanadier nach einer erträglichen Umbaupause um Viertel nach Neun die Bühne betraten. Abgesehen von einem Podest für das Schlagzeug war sie komplett leer geräumt. Die dreigeteilte Videowand im Hintergrund wurde zurückhaltend bespielt, ergänzt durch ein paar Lasereffekte. Eine schöne Atmosphäre entstand beim hymnischen „Lullaby“ als Glühbirnen in Zeitlupe über die LEDs pendelten.

Das Mitwippen ging wie von selbst

Das Mitwippen ging wie von selbst. Schließlich hat Nickelback in der noch gar nicht allzu langen Geschichte eine beachtliche Zahl an Ohrwürmern produziert. Genau wie der erste Hit „This Is How You Remind Me“, mit dem die Band 2002 aus der kanadischen Provinz in die amerikanischen Charts stürmte, setzt sich auch der neue Song „When We Stand Together“ nach einmaligem Hören für immer in die Gehörgänge fest. Alle sieben Nickelback-Alben haben sich millionenfach verkauft. Doch von der internationalen Musikpresse wird die Band nahezu geächtet, die Musik als „grauenhafter Gebrauchs-Rock“ und die Texte als „einfallslos“ bezeichnet. Beim Blick in die wogende Menge relativieren sich solche Urteile.

Der Sänger bedankt sich auffällig oft, wahlweise in Deutsch und Englisch, und mehrfach betont er, wie schön es ist, in Frankfurt zu sein. Es klingt dahergesagt, aber das macht nichts. „The good people of Frankfurt“, wie Kroeger die Fans nennt, sind ganz bei ihm. Irgendwann wird eine Palette mit Plastikbechern auf die Bühne getragen und zu einem Viertel mit Bier oder ähnlichem gefüllt in die Menge geworfen. Glücklich all diejenigen, die weiter hinten stehen oder in den Rängen sitzen und von der Planscherei verschont bleiben. Auf solche Gesten könnte das Publikum, dreißig aufwärts, sicherlich verzichten. Einige haben ihren Nachwuchs mitgebracht.

Danksagung an die Fans

Eine stilvollere Danksagung an die Fans ist da ihr Einbeziehen in die Show per Videoleinwand. Zwischen Aufnahmen der Bandmitglieder werden Auserwählte aus dem Publikum jeweils für ein paar Sekunden eingeblendet. Eine gelungene Echtzeit-Collage aus Stars und Besuchern. Oder sogar ein Statement? Der Frontmann betont in Interviews, er sehe sich selbst nicht als Rockstar, vielmehr als „Jukebox auf Reisen“ mit dem Wunsch „die Leute ihren Alltag für zwei Stunden vergessen zu lassen.“ Er sieht gut aus mit den neuerdings kurzen Haaren.

Zwei Stunden haben Nickelback am Ende nicht auf der Bühne gestanden, sondern inklusive Zugabe die klassischen neunzig Minuten. Es war ein kurzweiliger Auftritt. Bis zur nächsten Tournee wird das Repertoire der Band sicherlich wieder um einige Hits reicher sein. Dann aber bitte nicht so laut aufdrehen!

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