Rock’n’Rau für immer

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Fritz Rau und seine Lebensgefährtin standen im Rampenlicht.

Frankfurt - Fritz Rau bat zum Festkonzert zu seinem 80. Geburtstag – und viele kamen, mit denen er die Jazz-, Rock- und Pop-Geschichte vorangetrieben hat. Inga Rumpf, Nana Mouskouri, Howard Carpendale, Udo Lindenberg und Peter Maffay sangen das Loblied auf Rau in der ausverkauften Alten Oper Frankfurt – in rockigen wie berührenden Strophen. Von Klaus Ackermann

Statt die üblichen Ruhmesgirlanden zu flechten, stellte Laudator Wolfgang Sandner Raus Charaktereigenschaften heraus, der vom Musiker-Kofferschlepper zum wichtigsten Konzertveranstalter Europas reüssierte. Ohne seine Liebe zur Musik, seine Kreativität, sein Hang zur Perfektion und die Cleverness des gebürtigen Schwaben wäre eine solche Erfolgsgeschichte wohl nie geschrieben worden, so Sandner. Und noch das Festkonzert, von Dieter Nentwig und Weggefährten Raus organisiert und von Sponsoren mitgetragen, zeigte die Umsicht des „Musik-Tycoons“. Der beträchtliche Erlös kommt Maffays „Tabaluga“-Kinderstiftung zu Gute.

„Hinterm Horizont“ ging es für das Frankfurter Publikum mit Udo Lindenberg weiter.

Zum Auftakt ging es zünftig zurück zu den Wurzeln des Jazz mit den Frankfurter Jackson Singers, deren Gospels auch die Zeile „We worship you“ enthielt. Wobei nicht so recht klar wurde, ob der liebe Gott oder Fritz Rau gemeint waren. An die legendären Folk-Blues-Festivals – der unvergessene Rau-Partner Horst Lippmann hatte betagte farbige US-Heroen erst zum Zahnarzt und dann auf Europa-Tournee geschickt – erinnerte „United Blues Experience mit Sohn Andreas Rau an der Gitarre.

Direkt ins Jazz-Mekka New Orleans führte die Barrelhouse Jazzband mit ihren Stars Reimer von Essen und Horst Schwarz. Als quicklebendiges Jazz-Denkmal erwies sich Altsaxofonist Emil Mangelsdorff, schon bei Raus erstem Jazzkonzert in Heidelberg mit an vorderster Front. Eindrucksvollste Stimme an diesem Abend war die unverwüstliche Inga Rumpf, begleitet von einer spürbar animierten hr-Bigband unter Örjan Fahlström, die bereits den Gitarristen Jürgen Schwab jazzig in Szene gerückt hatte, der Raus Vita besang.

Den Chanson-Teil hatten Ulla Meinecke und Ingo York (Gitarre) eingeläutet, während Nana Mouskouri ihre Powerstimme nicht schonte. Ebenfalls von der hr-Bigband swingend unterfüttert wurde Hitmacher Carpendale, der genüsslich anmerkte, dass er selten so viele Männer im Publikum gesehen hätte …

Im Herzen Kind geblieben: Peter Maffay dankte seinem Förderer.

Heftig gefeiert: Der lässig über die Bühne tänzelnde, die harte Rock-Keule herausholende Udo Lindenberg, mit seiner Ballade „Hinterm Horizont“ reife Damen bezirzend. Bis nicht zuletzt Raus Paradepferd Peter Maffay die Alte Oper rockte und „Tabaluga“-gemäß bekannte: „Irgendwo tief in mir bin ich Kind geblieben“. Moderiert hatte Werner Reinke, der die lieb gemeinte, aber überlange und von insistierendem Beifall ausgebremste Laudatio des Rau-Intimus Mike Scheller vergessen ließ. Fehlte eigentlich nur einer, Mike Jagger. „You are the godfather of us all. Rock’n’Rau Forever“, hatte der Rolling Stone einst gefordert. So sei es.

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