Roger Cicero in der Alten Oper

Ode an den Neuanfang

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Roger Cicero

Frankfurt - Trennungen sind schmerzhaft. Keine Frage. Doch Roger Cicero hat das Beziehungs-Aus gut getan. Zumindest musikalisch. Von Maren Cornils

„Was immer auch kommt“ heißt das neue Album des mittlerweile 44-jährigen Frauenschwarms, und Cicero singt sich darauf von der Seele, was ihn nach dem Ende seiner Beziehung so alles beschäftigt und bewegt hat. Mit viel Rhythmus und poetischen Texten, die Gefühle beschreiben, die jeder kennt.

Von Einsamkeit und Verzweiflung ist da die Rede, von Eifersucht, Wut, aber auch dem Gefühl, neu geboren zu sein. Wer Ciceros Songs lauscht, in dem bringen sie etwas zum Klingen, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der beliebte Sänger, begleitet von seiner 13-köpfigen Big-Band auch bei seinem zehnten Auftritt in der Alten Oper Frankfurt den großen Saal mühelos füllt. „Wenn du ganz alleine bist. Und der nächste Mensch ist meilenweit entfernt. Wenn dein großer Plan nicht aufgeht. Und du merkst, wie du grad’ loszulassen lernst“, singt Cicero zum Auftakt in „Glück ist leicht“ und stimmt sein Publikum damit ein auf einen Abend, der sich ganz ums Thema Trennung und Neuanfang dreht, ohne deshalb auf die Tränendrüse zu drücken.

Davon, wie es sich anfühlt, „Adieu“ zu sagen, handelt „Das hier ist nicht Hollywood“, in dem ein kleines Saxofon-Solo zur etwas überzogenen Lichtshow Akzente setzt. In der langsamen Nummer „Endlich wieder frei“ dagegen stimmt Cicero ein Loblied auf die neue Freiheit an und erntet mit der Songzeile „Ich hab schon lange nicht mehr so blendend ausgesehen“ begeisterte Zustimmungsrufe vom weiblichen Publikum. Das freilich entspricht nicht ganz der Wahrheit: Allen wortreich beschworenen Vorteilen des Alleinseins zum Trotz ist der Sänger extrem schmal im Gesicht geworden und wirkt trotz des altbekannten Charmes rasant gealtert. An seiner Wirkung auf die Damenwelt ändert das nichts. Bereits ab dem dritten Song hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

Die Zuschauer tanzen zu „Wenn Du die Wahl hast“ und dem Hit „Zieh die Schuh‘ aus“ mit und geraten zu „Frag nicht, wohin“ ins Träumen. Im Verlauf eines pausenlosen, mehr als zweistündigen Konzertes beweist der Sänger einmal mehr seine Entertainer-Qualitäten, spaziert locker durchs Publikum und zeigt, dass er nicht nur frech kann, sondern auch andere, leisere Tonlagen bestens beherrscht. Ohne je ins Schnulzige abzurutschen, gelingt Cicero eine Ode an den Neuanfang.

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