Romantisch, burschikos, berlinerisch

Musiker brauchen Musen, Muße und, so sie Schweizer sind, Müsli. Diese Erkenntnis gewinnen Besucher der Konzertreihe von Ulrike Neradt, bis Sonntag allabendlich zum Rheingau Musik Festival im Martinsthaler Weingut Diefenhardt, ihrem Elternhaus. Von Markus Terharn

Diese Kalauer-Kette ist bezeichnend für den roten Faden, der das Programm zusammenhalten soll. Mit Frank Golischewski und dem glänzenden Pianisten Alfons Nowacki albert sich die Chansonette durch Geschichten von Frauen, die Komponisten inspiriert haben. Was sich bei Mozarts drei Mäderln – Bäsle, Aloisia, Konstanze – zwanglos mit dem Werk verbindet, scheitert bei Alma Mahler daran, dass nichts von Gustav gespielt, sondern mühsam eine Verbindung zu den 1920er Jahren gebastelt wird.

Wie verknüpfe ich die Lieder, die ich immer bringe? So wirkt das. Aber die gesangliche Seite gestaltet sich recht erfreulich, solange Neradt sie besorgt. Ihrer tief tönenden Stimme liegt das Romantische von Schubert wie das Leidenschaftliche der Piaf, das Berlinerische von Hollaender wie das Burschikose der Leander.

Von ihrem Duettpartner Golischewski lässt sich das leider nicht sagen. Er hat kein Rokoko-Organ, markiert den Macho Don Giovanni nur körpersprachlich, pflegt eine Art Sprechgesang. Erst in Teil zwei, mit viel Brecht/Weill, stemmt er leidlich überzeugend seinen Mackie Messer auf die Bühne im Hof.

Auch da singt ihn Neradt an die Wand. „Speak Low When You Speak Love“ und der „September Song“ hallen lange nach, wie die Liebe von Kurt Weill und Lotte Lenya. Im indirekten Vergleich mit Salome Kammer, die im Parkhotel Schlangenbad kürzlich teils dieselben Stücke interpretiert hat, bleibt die Diseuse indes zweite Siegerin ...

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