Romantische Lieder von der Endlichkeit

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„Eine Winterreise“ hieß das Programm. Franz Schubert kam vor, doch es ging nicht um eine Aufführung seines Zyklus „Die Winterreise“, wiewohl vier der drei eingangs gesungenen Lieder daraus stammten.

Offenbach - „Eine Winterreise“ hieß das Programm. Franz Schubert kam vor, doch es ging nicht um eine Aufführung seines Zyklus „Die Winterreise“, wiewohl vier der drei eingangs gesungenen Lieder daraus stammten. Von Stefan Michalzik

Schubert endet seinen „Zyklus schauerlicher Lieder“ mit dem erschütternden Todesgesang vom „Leiermann“; Mezzosopranistin Diana Schmid und Olaf Joksch am Klavier begrüßten zum Schluss ihrer „Winterreise“ in Offenbachs Französisch-Reformierter Kirche mit Hugo Wolf und Eduard Mörike das blaue Band des Frühlings. Schuberts Wanderer, der seine Liebe und seine Heimat hinter sich lassen muss, begibt sich auf eine Reise ohne Wiederkehr: Er verabschiedet sich von der Welt.

Von Endlichkeit handeln Schmid und Joksch in ihrer Auswahl von Liedern der Romantiker Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf auch. Doch erheben sie sich über die individuelle Perspektive und erschließen einen Blick auf den Zyklus des Lebens. Es geht um den ewigen Fluss der Dinge, der Entflammen und Erlöschen der Liebe nicht ausschließt.

Kritik an einem hohen Niveau

Diese Lieder sind für Männerstimmen geschrieben; freilich hat sich im 20. Jahrhundert eine Traditionslinie der Interpretation durch Frauen herausgebildet, begründet von Lotte Lehmann und weitergeführt über Christa Ludwig, Brigitte Fassbaender, Mitsuko Shirai und Margaret Price. Schmid verhält sich nicht so distanziert wie Christine Schäfer in ihrer Einspielung der „Winterreise“. Zwangsläufig variieren ihre Haltungen, bedingt durch den Wechsel des Standpunkts zwischen Ich und außenstehenden Beobachtern. Zwar gehört sie nicht zu den Sängerinnen, die das Potenzial dramatischer Gestaltung ausreizen; Manierismen sind ihr fremd. Sie könnte noch gewinnen, wenn sie mimische Bekundungen einer emotionalen Betroffenheit, die bisweilen etwas künstlich wirken, zurücknähme.

Das freilich ist Kritik an einem hohen Niveau. Schmid ist intonatorisch traumhaft sicher, sie vermag hervorragend zum Publikum „sprechen“. Dank ihrer Wandlungsfähigkeit erfasst sie den Gehalt genau; ihre Darstellung ist gekennzeichnet durch Gespür für Stimmungen und Intimität des Gestaltens auf Grundlage einer vom Wort her entwickelten Lesart. Joksch ist ein Klavier-Kommentator, der subtil auf die Sängerin eingeht.

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