Rosen für die Rocklady

Marianne Faithfull ist eine Frau, die weiß, was sie will. Zumindest vermittelt die Sängerin und Schauspielerin im ausverkauften Frankfurter Hof zu Mainz den Eindruck, wenn sie zwischen den Songs ihren Ruf als lebenserfahrene Künstlerin unterstreicht.  Von Ferdinand Rathke

„A song I’ve composed with Mick Jagger und Keith Richards“, kündigt sie die Ballade „Sister Morphine“ (1969) an, die ein kurzes Dasein als B-Seite fristete, ehe die Plattenfirma einen Rückzieher machte. Geht es doch um die letzten Stunden eines Sterbenden, der um einen Schuss Morphium bettelt.

Wenn sie die Etüde in Moll und das zweite Stück mit Stones-Assoziation, „As Tears Go By“, mit von Nikotin und Alkohol getränkter Stimme im sparsamen Gitarren-Arrangement von Doug Pettibone fast wie im Original interpretiert, steht da eine Frau, der ihre vielen Tiefs und wenigen Hochs nicht anzumerken sind. Vor allem wirkt die umschwärmte und mit Blumen bedachte 63-Jährige wie eine reifere, in Schwarz gekleidete Vokalistin mit Hang zu sinistren Interpretationen von Merle Haggards „Sing Me Back Home“, Dolly Partons „Down From Dover“ oder Jackson C. Franks „Kimbie“. Fremdem Material drückt sie ihren Stempel auf.

Der Beifall des Publikums zwischen 20 bis 60 Jahren gerät intensiver, sobald die Britin aus ihrem Schatzkästchen ein Juwel wie das eindringliche Ulrike-Meinhof-Porträt „Broken English“ zutage fördert. Leider ist es das einzige selbst komponierte Stück des Duos – obwohl Shel Silversteins „The Ballad Of Lucy Jordan“ von derselben Platte von 1979 stammt. Flexibel und auf der Höhe der Zeit zeigt sich Faithfull bei geschmackvollen Coverversionen von The Decemberists, Neko Case und The Black Rebel Motorcycle Club. Doch der arg kurze Abend endet, wie er mit Barry Reynolds’ „Times Square“ begonnen hat, mit einem Klassiker – Tom Waits’ „Strange Weather“.

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