Weder Elan noch Zugabe

Frankfurt - Skurrile Situation beim Schlussapplaus: Der Dirigent wendet sich dem Orchester zu, um eine Zugabe spielen zu lassen – der Konzertmeister lehnt mit eindeutiger Gestik ab. Von Axel Zibulski

Beim Auftritt des Royal Philharmonic Orchestra in der Alten Oper wirkte dieses ungewöhnliche Abstimmungsdefizit auf dem Podium symptomatisch.

Dirk Joeres, seit 2007 „ständiger Gastdirigent“ des Londoner Orchesters, hatte schon im offiziellen „Pro-Arte“-Programm trotz großem physischem Einsatz keine starken Impulse geben können. Die eingangs gespielte Satzfolge von Robert Schumanns „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ E-Dur op. 52 wirkte höchstens als Rarität interessant. Das Royal Philharmonic Orchestra ließ an eine Pflichtübung denken – bei unscharfen Einsätzen, pauschal-mattem Streicherklang und zu wenig rhythmischer Prägnanz im Scherzo. Von einem Orchester, das sich auf internationalem Terrain bewegt, erwartet man bereits in spieltechnischer Hinsicht mehr.

Besonders auffällig wurde der nie mehr als pflichtschuldig-routinierte Einsatz des Orchesters bei der Begleitung der vorzüglichen Solistin. Die israelische Klarinettistin Sharon Kam spielte Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 vor allem unbeirrt – von den unsensibel auftrumpfenden Bläsern, vom kaum auf Abstimmung bedachten Dirigenten, auch von der fehlenden Bereitschaft des Orchesters, sich auf dialogisches Musizieren einzulassen. Was blieb, war ihr wunderbar kernig-charaktervoller Ton, ihr organisches Phrasieren, ihre einnehmende Mühelosigkeit. Das bestätigte sie in der zugegebenen Tango-Etüde Astor Piazzollas.

Royal Philharmonic hingegen konnte sogar mit einem Werk aus seinem Kern-Repertoire nicht überzeugen. In Edward Elgars „Enigma“-Variationen über ein Originalthema op. 36 erhielten die zwischentonreichen Porträts höchstens derbe Konturen. Mit Lust am lauten und kräftig raschen Tempo ging es vor allem schnell dem Ende entgegen. Ein ernüchterndes Gastspiel. Ohne Zugabe.

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