Klemisch mit Gitarrenmusik in Bürgel

Klangreise durch Jahrhunderte

Offenbach - In der Bürgeler Kulturreihe „Sommernachtstraum“ der Gustav-Adolf-Gemeinde erfüllte Rudolf Klemischs Konzert mit Musik aus fünf Jahrhunderten nicht ganz die Erwartungen. Von Reinhold Gries

Die Renaissance-Vihuela des Offenbacher Konzertgitarristen lag ebenso griffbereit wie die Barockgitarre, die Biedermeier- und die moderne Konzertgitarre. Auch Klemischs Programm war anspruchsvoll. Doch die akustischen Open-Air-Bedingungen waren alles andere als optimal - vor allem nicht für Alte Musik.

Der spröde Charme der Vihuela hatte bei der zu laut eingestellten Lautsprecheranlage keine Chance. Das war zu hören bei Pavanen des katalanischen Renaissance-Komponisten Luis de Milán aus der Sammlung „El Maestro“, den ersten, die im 16. Jahrhundert für die „Vihuela de mano“ publiziert wurden. Die Nähe zur Laute wurde bei Alonso Mudarras kunstfertigen wie urwüchsigen Tabulaturen der „Fantasia“ und bei Luys de Narvaez´ „Diferencias“ nicht deutlich.

Der Schubert der Gitarre

Danach litt auch der feine Klang der Barockgitarre an der undifferenzierten Boxen-Wiedergabe. Das war schade, denn Klemisch hatte bei Gaspar Sanz’ spanischen Pavanen, Espunoletas und Canarios einiges zu bieten. Auf elektronischem Übertragungsweg verlor sich auch der Charme der a-Moll-Suite von Robert de Visée, dem Gitarrenlehrer des Dauphin am Hof des Sonnenkönigs, zwischen Prelude, Allemande, Sarabande und Gigue.

Etwas besser wurde alles beim Biedermeier Fernando Sors aus Barcelona, dem „Schubert der Gitarre“. Dessen Weg zur Klassik ging Klemisch über feine „Variationen über ein Thema von Mozart“, bevor er bei der Nocturne a-Moll des Pressburgers Johann Kaspar Mertz in Sätzen wie „Elfenreigen“ oder „Unruhe“ romantische Saitenkunst präsentierte.

Schöner klang auch das „Capricho Árabe“ des Katalanen Franciso Tárrega, mit kraftvollem Ton und Apoyando-Technik für neue spanische Gitarrenschule des 19. Jahrhunderts stehend. Auch dem auf der modernen Konzertgitarre gespielten „Vals Nr. 3“ von Agustín Barrios Mangoré kam die auf Vollklang geeichte Anlage recht, uruguayisches Lebensgefühl ausdrucksvoll festhaltend.

Rudolf Klemischs nicht einfache Klangreise endete mit „Choros“ des Brasilianers Heitor Villa-Lobos und Leo Brouwers stimmungsvoll-moderner Huldigung „Elogio de la Danza“, die dankbaren Beifall der zahlreichen Zuhörer ernteten.

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