Rückkehr einer Diva

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Belinda Carlisle lebt seit vielen Jahren im französischen Cannes und knüpfte in Offenbach erfolgreich an alte Zeiten an.

Kaum zu glauben: Wenn Belinda Carlisle zu ihren Pop-Evergreens „Heaven Is A Place On Earth“, „Circle In The Sand“ und „Leave A Light On“ auf der Bühne des Offenbacher Capitols die Hüften schwingt, käme wohl keiner auf die Idee, dass die amerikanische Sängerin eine dunkle Vergangenheit mit sich herum schleppt.  Von Ferdinand Rathke

Jahrzehntelanger schwerer Konsum von Alkohol und Kokain haben auf dem Antlitz der 52 Jahre alten Veteranin keinerlei Spuren hinterlassen. Im Gegenteil. Schaut die schon vor Jahren von Los Angeles nach Cannes verzogene Interpretin gefälliger 80’s-Pop-Hymnen doch glatt aus, als wäre sie gut zwei Jahrzehnte jünger. Nicht nur ihre auffällige Ähnlichkeit zu Elvis Presleys Gattin Priscilla, ließ Gerüchte aufkommen, sie habe mit plastischer Chirurgie nachgeholfen. Beneidenswert zeitlos wirken nicht nur Gesichtszüge und schlanke Kurven. Auch ihr in knappen siebzig Minuten ohne größere Ansagen ans Publikum abgespultes Repertoire besitzt diese Eigenschaft.

Mit kompetentem Sextett im Rücken versucht die in einen legeren Hosendress im Stile der Fünfziger Jahre gekleidete Mutter eines 18 Jahre alten Sohnes erst gar nicht, die Stilmittel aus ihrer Glanzzeit zu beschwören. Statt aufgeblasenem Bombast, wie er in den Achtziger Jahren en vogue war, liefert der einstige Schwarm zahlloser Teenager rund um den Globus patente Songs wie „Runaway Horses“, „Vision Of You“ und „(We Want) The Same Thing“ in Arrangements ab, die näher an die besten Zeiten von Rock und Pop von der Westküste, denn an den überproduzierten synthetischen Pop von Carlisles LP-Bestsellern der Jahre 1987 bis 1992 liegen.

Klassiker von „The Go Go´s“ dabei

Dass die besten Tage ihrer Karriere weit hinter ihr liegen, merkt man der Spielfreude des homogenen Ensembles nicht an. Auch Auszüge des französischen Albums „Voilà“ stehen auf dem Programm: „Bonnie et Clyde“, versponnene Gangsterballade von 1967, im Original vom damaligen Skandalduo Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot, überzeugt im Indie-Rock-Format ebenso, wie das eigentlich längst durch unzählige Versionen abgenudelte Verzweiflungschanson „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel zum Schluss.

Wirklich schade, dass nur rund 100 Konzertbesucher der Wiederauferstehung der Pop-Diva beiwohnen. Zumal Belinda Carlisle mit „Vacation“ „Our Lips Our Sealed“ und „We Got The Beat“ auch Klassiker von der All-Girl-New-Wave-Truppe „The Go Go’s“ präsentiert, der sie vor Start der Solokarriere angehörte und die im Sommer in den USA in Originalbesetzung auf Tournee gehen wird.

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