Rüstige Rock-Rentner

+
ZZ Top. hier bei ihrem Tournee-Auftakt auf Burg Abenberg am 26. Juni.

Mainz - Als 1980 Rockpalast-Moderator Albrecht Metzger mit „Tschörmän Tellewischon prautlie priesänz“ das Deutschlanddebüt eines damals noch unbekannten Trios in der Essener Grugahalle anpries, ahnte keiner, dass sich die Formation 2009 zum Tourneestart des 40. Jubiläums in gleicher Lokalität präsentieren würde. Von Ferdinand Rathke

Einmal mehr in ausgelassener Feierlaune präsentieren ZZ Top sich zwei Jahre später vor rund 3000 Zuschauern im Mainzer Volkspark bei recht wechselhaftem Wetter. Ein Spektakel grundsolider Superlative – auch wenn die Formel aus Boogie, Blues, Rock und Rauschebärten seit Gründung nur minimal variiert wurde.

Ähnlich sparsam wie das Bühnenambiente aus Projektionswand und versetzt drapierter Verstärkeranlage verfahren ZZ Top auch mit sorgsam aus unerschöpflichem Repertoire ausgewählten Hits und Klassikern. Keine Note zu viel spielen Billy Gibbons, Bassist Dusty Hill und Schlagzeuger Frank Lee Beard, wenn sie tief im Archiv wühlen, um Songjuwelen wie „Waitin’ For The Bus“, „Jesus Just Left Chicago“ und „I’m Bad, I’m Nationwide“ zutage zu fördern. Bis zum Anschlag aufgedreht hingegen die Lautstärke, nachdem ein Kojote schon zum Auftakt unheimlich aufheulte.

Schlicht verblüffend, wie es den nahezu identisch gekleideten Senioren noch gelingt, zackige Gitarrenriffs und hypnotische Bassläufe synchron tänzelnd im Gleichschritt zu exerzieren. Den Schalk im Nacken dürften Gibbons und Hill haben, wenn sie arglos nach ihren Technikern rufen und stattdessen zwei leicht geschürzte langbeinige Schönheiten ins Scheinwerferlicht treten. Spätestens nachdem Gibbons nach seinem „Blues-Hut“ verlangt, geht es Schlag auf Schlag: „Cheap Sunglasses“, „Gimme All Your Lovin’“, „Sharp Dressed Man“ und „Legs“ rocken wuchtig wie immer. Zum Finale beweisen die drei noch erstaunlich rüstigen Rock-Rentner mit „La Grange“ und „Tush“, dass sie längst noch nicht reif für die Pension sind.

Kommentare