In sakraler Klangsphäre

Für den tiefgläubigen Anton Bruckner war Richard Wagner wie ein zweiter Gott. Beide vereinten jetzt Eliahu Inbal und das WDR Sinfonieorchester Köln in einem Konzert des Rheingau Musik Festivals. Von Klaus Ackermann

Das Konzert schien mit Vorspiel und Karfreitagszauber aus dem „Parsifal“ die sakrale Sphäre der Ebersbach-Basilika sogar noch zu erhöhen. Dagegen verhandelte der Bruckner-erfahrene Dirigent dessen erste Sinfonie derart sachlich, als gelte es, den Spätromantiker zu entmystifizieren.

Bei dessen in vielerlei Versionen aufgelegten Sinfonien hatte sich Inbal schon zu Frankfurter Zeiten für die Urfassungen stark gemacht. Und auch die Nr. 1 c-Moll wirkt in der Linzer Form von 1868 elementarer als die spätere Überarbeitung des Komponisten.

Bei Inbals scharfer Gangart herrscht hier von Anbeginn Sturm und Drang, der die massiven Blechbläser-Pfeiler fest fügt, wie er die eigenwilligen rhythmischen und harmonischen Wendungen deutlich markiert. Den Eindruck einer Geisterstunde verstärken verminderte Akkorde in Serie, immer eine schmerzliche klangliche Erfahrung.

Reine Poesie im Karfreitagszauber

Zur seelenvollen Klage wird das wie ein orchestrales Rezitativ anmutende Adagio, ein intensiver Dialog der Streichergruppen, bei dem die Blechbläser Hoffnung signalisieren. Während das Scherzo sich als handfester Ländler herausstellt, dessen Robustheit das fein geblasene Horn-Trio nicht schmälert – ehe das bewegte Finale zur Himmelfahrt einlädt. Da wirkt nichts geglättet, nicht einmal die weichen Blechbläser-Passagen, von hart angerissenen Streicher-Figuren unterfüttert, noch im leuchtenden C-Dur wuchtig, stählern.

Den Klangmaler hatte Inbal eingangs hervorgekehrt. Glutvoll, intensiv entsteht so das Vorspiel zum „Parsifal“. In der akustisch großzügigen Basilika scheinen die Leitmotive sich zu vervielfältigen. Reine Poesie dann im Karfreitagszauber, der Parsifals Glaube bekräftigt, zum Erlöser auserwählt zu sein. Inbal und die Kölner Sinfoniker verweisen auf die Detail-Ansichten eines großartigen sinfonischen Panoramas. Dieser Wagner-Happen machte Lust auf mehr. Wie Inbal zum Überprüfen lieb gewonnener Bruckner-Vorstellungen zwang.

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