Samstagnacht in der Großraumdisko

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Rea Garvey

Frankfurt - Im Erfolg auf halber Strecke stecken zu bleiben, das kann sich unter gewissen Umständen zur wahren Geduldsprobe entwickeln: Ausgerechnet im zehnten Jahr ging der deutsch-irischen Formation Reamonn die Puste aus. Von Ferdinand Rathke

Dabei war das Quintett just angekommen in den großen Konzerthallen und in grundsoliden Verkäufen regelmäßig veröffentlichter Alben. Doch lief es wohl zwischenmenschlich nicht mehr so geschmeidig, wie es eigentlich sollte.

Für Frontmann Rea Garvey kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Maßgeblich seinem Einfluss, den der 1998 von Irland nach Deutschland emigrierte Sänger, Komponist und Texter nach der letzten Tour geltend machte, dürfte das vorläufige Aus für das Abenteuer Reamonn besiegelt haben.

Nicht sonderlich schwer fällt es Rea Garvey, der bei Reamonn als Aushängeschild fungierte, für sein Soloprojekt das angestammte Fanklientel auf seine Seite zu ziehen. Ausverkauft präsentiert sich die Frankfurter Batschkapp. Doch nicht nur das. Vom ersten Song liegt das Publikum dem 38-jährigen bärtigen Langhaarträger zu Füßen, der betont volksnah auf Tuchfühlung geht und in mitunter minutenlangen Plaudereien eine Stimmung erzeugt, als säße er mit Freunden im Wohnzimmer bei einem Glas Wein. Erstaunlich. Denn mit dem Wechsel von Gruppenidentität auf Soloaktivität entschloss er sich zumindest teilweise für einen Paradigmenwechsel.

Statt gewohnt biederem Pop-Rock mit Hang zum hymnischen Pathos serviert Rea Garvey mit seiner fünfköpfigen Begleitformation streckenweise Kost für Samstagnacht in der Großraumdisco, die Grenzen überschreitet: „Heart Of An Enemy“, „Save A Life“ sowie der Titelsong seines Debüts „Can’t Stand The Silence“ setzen auf elektronische Tanzanimation, die der Sänger jüngst in Anzeigen und Pressefotos mit geschminkter Visage beworben hat – so kannte man den betont bodenständigen Iren bislang noch nicht.

Damit sich der Bruch mit der Vergangenheit nicht allzu vehement vollzieht, findet sich auch stilistisch mit Reamonn Verwandtes: „Hole In My Heart“, „How I Used To Be“, „End Of The Show“ und „My Child“ rücken dabei immer wieder in die Nähe von U2.

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