In Frankfurter Festhalle

Fiddle und Konfetti auf der Santiano

+

Frankfurt - Die deutsche Band „Santiano“ gastierte in der Festhalle und begeisterte ihr Publikum mit Liedern von ihren beiden Alben „Bis ans Ende der Welt“ und „Mit den Gezeiten“. Von Thomas Ungeheuer

„Seid willkommen auf der Santiano!“ Das ruft der Sänger und Bassist Hans-Timm „Timsen“ in die gut besuchte Festhalle hinein und meint damit natürlich das Schiff, dessen stolzer Kapitän er ist. Ganz in schwarz gekleidet, wie alle übrigen sechs Musiker seiner Band, ist „eure Großmäuligkeit“ nämlich derjenige, der das Publikum vom ersten Augenblick an fest im Griff hat. Somit steht auch bei dem Lied „Santiano“ vom Parkett bis hoch in die Empore der ganze Saal und singt mit.

Es ist laut. Zu laut, als dass man glauben könnte, dass die Musiker aus dem nördlichen Schleswig-Holstein in Frankfurt besinnlich die Adventszeit feiern wollen. Nein, ganz klar gibt Hans-Timm schon bald zu verstehen, dass sie „nicht die Weihnachtsgeschichte erzählen“ wollen. Bei ihren Konzerten gäbe es immer „Radau und Krawall“. Dies mag zwar ein etwas übertrieben sein, aber zumindest ist die Stimmung des Publikums bestens, wenn es der Musik von „Santiano“, also einer Mischung aus Pop, Irish Folk, Shanty und Schlager, zuhört.

Es „quietscht so ein bisschen in der Herzgegend“, wenn Peter David „Pete“ Sage bei „The fiddler on the deck“ mit dem Bogen über die Saiten seiner Geige streicht, zumal dabei goldener Konfetti von der Decke fällt. Aber die Band weiß auch Lieder von anderen Interpreten umzutexten, ohne dass jemand seekrank davon werden möchte. So wird aus dem amerikanischen Folk-Song „500 miles away from home“ der Reggae „500 Meilen auf dem Meer“. Zwischendurch gesellt sich die „wunderbare Oonagh“ auf die Bühne, dessen Bühnenbild dem Deck eines alten, rostigen Kahns gleicht, um mit den Künstlern das Lied „Weit über dem Meer“ zu singen. Geschickt fügt die Sängerin ihre warme und klare Stimme in die Musik ein, die von akustischen Klängen von Gitarre, Bass, Akkordeon und Geige geprägt ist. Später kommen jedoch auch vermehrt E-Gitarren und Keyboards zum Einsatz.

Pure Seemannsromantik kommt bei „Wir sind uns treu“ auf, bis es schließlich bei „Garten Eden“ - Original: „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel - dann doch etwas weihnachtlicher wird. Es fällt Schnee von oben herab - na ja, eigentlich weißer Seifenschaum. Beschwingt, nein euphorisch sogar, singen viele mit, wenn es in „Kaperfahrt“, einem Kinderlied für Erwachsene, heißt: „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt gehen, müssen Bärte tragen“. Erstaunlich: die gereiften Herren springen wie 20-Jährige über die Bühne.

Kein Wunder also, dass die begeisterten Zuschauer nach anderthalb Stunden Show ihre Helden mit viel Applaus und Gebrüll wieder zurück auf die Bühne holen. Als Abschiedslied erklingt „Hoch im Norden“. Und danach? Da geben „Santiano“ noch Autogramme.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare