Sarah Connor in der Alten Oper

Weihnachtsfeier mit der besten Freundin

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Präsent und großartig bei Stimme: Sarah Connor.

Frankfurt - Sarah Connor verbreitet in der Frankfurter Alten Oper festliche Stimmung und entfacht sogar hawaiianischen Blütenzauber. Von Peter Müller 

Süßer die Advents-Glocken nie klangen. Und der Text dazu kommt auch noch absolut fehlerfrei. Sarah Connors Nationalhymnen-Blackout ist längst vergessen, auf ihrer aktuellen „Christmas In My Heart“-Tournee beglückt sie in der Alten Oper alle Freunde des weihnachtlichen Liedgutes auf watteweiche Art: mit herzzerreißenden Versionen von Evergreens wie „A Ride In The Snow“, „Santa Claus Is Comin’ To Town“ oder „Jingle Bells“. Aber nicht nur.

Sie beschert der beseelten Fan-Gemeinde außerdem eine Prise Erwachsenen-Pop („Close To Crazy“), ein bisschen Aretha-Franklin-Soul („Sisters Are Doin’ It For Themselves“) und feierlich Pastorales der Marke „Ave Maria“. Ach ja, weil die stolze Dreifach-Mama aus Delmenhorst schon mal dabei ist und das Fest der Liebe im zweifelsfrei großen Herzen trägt, sorgt sie auch noch für Gratis-Krippenplätze und schenkt en passant dem Sohnemann ihres Bandleaders einen Stepptanz-Auftritt.

Der Reihe nach: Nachdem ihr 2005er-Album „Christmas In My Heart“ partout nicht aus den Jahresend-Chartlisten verschwinden will, hat die schöne Pop-Koloratursopranistin in diesem Sommer endlich beschieden, „sich einen großen Traum zu erfüllen“ und mit einem zwanzigköpfigen Swing-Orchester auf einer Christkindl-Tour altes und neues Song-Material live zu präsentieren. In ausgesucht edlen Konzerthallen. Und mit ganz viel Gefühlsschaumbad umhüllt.

Diese nicht gerade originelle Idee sorgt an ihrem plüsch-umrankten Frankfurter Konzertabend aber schon mal für Szenerien, bei deren Anblick man sich die Sternschnuppen aus den Augen reiben muss. In der linken Bühnenecke ein fröhlich blinkender Vier-Meter-Christbaum, in der rechten Ecke das Jesuskindlein, Maria, Josef und die üblichen Verdächtigen aus dem Morgenland in Bonsai-Ausgabe, darüber ein altdeutsches Kronleuchter-Trio, mittendrin zwei Backvocal-Sängerinnen im Calypso-Modus und Andrej Hermlins „Christmas Swing Orchestra“, das sich für „Mele Kalikimaka“ gerade Südsee-Blumenkränze umhängt – auf die Idee muss man erst mal kommen.

Konzert als Familientreffen

Aber die 33-jährige Pop-Königin scheint das alles glänzend zusammenzuhalten. Zumindest, wenn man der Begeisterung ihrer treuen Gemeinde glauben mag. Unstrittig ist: Ganz gleich, wie man zu Frau Connor, ihrer Reality-Soap oder ihrer „X Factor“-Jurorentätigkeit stehen mag, sie hat eine großartige Stimme, entwaffnende Bühnenpräsenz und sieht zu allem Überfluss auch noch toll aus, um es mit einem ihrer Hits zu sagen „Sexy As Hell“.

Vielleicht ist das Entscheidende an diesem Auftritt, der selbst „Silent Night“, „Leise rieselt der Schnee“ oder ein sehr sakrales „Halleluja“ verträgt, vielmehr ihr Gestus, der das gern genommene Märchen vom „Star zum Anfassen“ auf die Live-Bühne stellt. Sarah Connor zelebriert das Konzert als Familientreffen, sie „duzt“ das Publikum, ist nahbar, gibt Autogramme während der Show. Und natürlich nimmt sie auch jedes Geschenk mit einem Lächeln und lieben Worten entgegen.

Das schafft jene Nähe, die vor allem weibliche Teenager so super finden, dass sie den Namen ihres Idols gleich zweifach auf die Haut tätowieren und im Schlepptau der Tour durch die Lande fahren, um möglichst in den vordersten Reihen dahin zu schmachten. Man kann diesen „From Sarah with Love“-Gestus zauberhaft finden – oder als inszenierte Seifenoper abtun und sich auf Silvester freuen. Wie auch immer: Am Ende dieser Zweistunden-Visite hat die ziemlich beste Freundin ihre Fans mal wieder kollektiv verarztet – und für das Fest der Liebe bestens präpariert.

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