Frankfurter Saxofonist Peter Klohmann

Frecher Hund mit Charme

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Markenzeichen Improvisation: Peter Klohmann

Frankfurt - Sehr geehrt fühlt sich Peter Klohmann, ist aber auch unglaublich aufgeregt vor seinem Auftritt heute Abend beim 45. Deutschen Jazzfestival Frankfurt. Von Detlef Kinsler

Längst ist es eine schöne Tradition, dass die Stadt neben den Musikern der hr-Bigband auch von einem Gewinner des Arbeitsstipendiums der Stadt Frankfurt am Main im Sendesaal des Hessischen Rundfunks vertreten wird. Musiker des Contrast Quartets, Uli Schiffelholz und auch Valentin Garvie haben die Chance schon bekommen, sich zwischen all den nationalen und internationalen Größen zu zeigen. Jetzt reiht sich der letztjährige Gewinner des Preises ein: Peter Klohmann.

„Ich war eher überrascht und hätte es mir eigentlich noch nicht einmal träumen lassen“, reagierte der Saxophonist auf die Einladung. Er begreift sie keineswegs als logische Konsequenz seiner Auszeichnung 2013. In der Romanfabrik, wo das Stipendium jedes Jahr mit einem Preisträgerkonzert vergeben wird, begründete die Jury seinerzeit, Klohmanns Musik sei ihnen aufgefallen weil sie „expressiv, intensiv und abenteuerlustig“ sei. Seine eigenwillige Jazz-Interpretation ist meist funky, gern auch mal kammermusikalisch, ja fast sinfonisch instrumentiert und arrangiert.

Jazz in der Burg in Dreieichenhain

Sein Septett beim Festival ist mit zwei Kontrabässen und Cello zu Piano und Drums neben dem Gebläse (Tenorsaxophon, Flöte, Bassklarinette und Posaune) besonders und außergewöhnlich besetzt. Damit startet der Jahrgang 1986 einen - wie er es ausdrückt - „Hybridversuch zwischen einer Jazzband und einem orchestralen Klangkörper - mit tiefen Streichern und Blech.“ In seiner Experimentierfreude und Expressivität folgt der Sossenheimer respektvoll und respektlos zugleich dem leicht boshaften und zur Innovation anstachelnden Zappa-Zitat: „Jazz is not dead, it just smells funny“.

Klohmann ist ein frecher Hund, aber seine Performance hat Charme und ist bei allem instrumentalen Können und der Virtuosität keine reine Kopfsache, sondern überzeugt mit viel Witz und Verve. „Jazz ist für mich in erster Linie eine Musikrichtung, deren Markenzeichen die Improvisation ist“, betont Klohmann. „Ansonsten ist Jazz nur eine Genre-Bezeichnung - wie Rock, Pop, Folk oder World Music auch, eine Schublade, um damit ein Publikum anzusprechen. Die rhythmische Auffassung macht für mich den frappierenden Unterschied. Und natürlich auch die Offenheit für andere Genres.“

Jazz in der Burg (Archiv)

Blues Morning und Jazz in der Burg

Für den ersten Abend des Jazzfestivals, den Peter Klohmann mit seinem Septett eröffnet, an dem außerdem das Quintett der amerikanischen Gitarristin Mary Halvorson spielt und Lionel Loueke mit der hr-Bigband „African Heritage“ auf die Bühne bringt, gibt es noch Restkarten. Alle drei Abende werden übrigens komplett live auf hr2-Kultur im Radio übertragen. Videostreams gibt es zudem unter: www.jazzfestival.hr-online.de und concert.arte.tv/de. In Offenbach ist Peter Klohmann aber auch ganz intim zu erleben. Am 11. November in der Weinstube, Taunusstraße 19.

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